| Hintergrund:
Seit dem Aufkommen der Neuroinflammationshypothese bei affektiven Erkrankungen gerät Vitamin D zunehmend in den Fokus der neuropsychiatrischen Forschung. Aufgrund seiner immunmodulierenden Funktion versucht man einen Zusammenhang zwischen einem Vitamin D Mangelzustand und verschiedenen psychiatrischen Krankheitsbildern herzustellen, so auch mit der bipolaren Störung.
In der Literatur gibt es Hinweise, dass suboptimale Vitamin D Spiegel bei bipolarer Erkrankung häufig sind, ebenso konnte man einen möglichen Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität vermuten.
Aus diesem Grund untersucht die vorliegende Studie Daten von Patient*innen mit bipolarer Störung über einen längeren Zeitraum und analysiert den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Krankheitsverlauf der bipolar affektiven Störung.
Methode:
Hierfür wurden Daten von insgesamt 32 Patient*innen ausgewertet. Die eingeschlossenen Personen wiesen zu den Messzeitpunkten V1 und V4 vollständige Daten auf. Zwischen den Messzeitpunkten lagen im Schnitt 1,5 Jahre. Die Daten wurden im Rahmen der BIPLONG Studie erhoben – einer groß angelegten Studie der Klinischen Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutischer Medizin, der Medizinischen Universität in Graz. Aus diesen Daten wurden verschiedene klinische Parametern der bipolaren Störung im longitudinalen Verlauf erhoben und ausgewertet.
Die Personen wurden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt, jene mit einem Vitamin D Mangel und jene ohne Vitamin D Mangel. Als Cut-off Wert wurde ein Serum-Vitamin D Spiegel von 50 nmol/l gewählt. Zudem wurden die Gruppen jeweils nach Geschlecht aufgeteilt, um in einer separaten Analyse etwaige geschlechtsspezifische Unterschiede im Vitamin D Haushalt entdecken zu können. Mit Hilfe eines linearen Regressionsmodels und verschiedener für die Beurteilung des Krankheitsverlaufs relevanter Parameter, wie der Anzahl der Krankheitsepisoden, dem Beck´s Depression Inventar (BDI), der Young Mania Rating Scale (YMRS), der Global Assesment of Functioning Scale (GAF) und der
Hamilton Depression Scale (HAMD) sollte untersucht werden, ob Vitamin D als Prädiktor für den Krankheitsverlauf von Patient*innen mit bipolarer Störung dienen kann.
Ergebnisse:
Die Untersuchung konnte keine signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Vitamin-D-Spiegel zu Beginn (V1) und verschiedenen Indikatoren des Krankheitsverlaufs (YMRS, HAMD, GAF) zum späteren Zeitpunkt (V4) zeigen. In Bezug auf die Geschlechterunterschiede wiesen Frauen höhere Vitamin-D-Spiegel als Männer auf, jedoch erreichte dieser Unterschied nur in der follow-up Messung Signifikanz.
Konklusion:
In Anbetracht der geringen Stichprobengröße müssen die Ergebnisse in Bezug auf beide Haupthypothesen äußerst kritisch betrachtet werden.
Zwar deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Vitamin D als alleiniger Marker nur eine untergeordnete Rolle für die Vorhersage klinischer Verlaufsparameter spielt, jedoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Stichprobe ein weitestgehend euthymes Patient*innenkollektiv umfasste. Zukünftige Studien sollten also neben größeren Stichprobengrößen auch akut erkrankte Personen mit einbeziehen, um differenzierte Aussagen über einen möglichen prädiktiven
Charakter von Vitamin D treffen zu können. |