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Medizinische Universität Graz
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Bibliografische Informationen
Titel
Möglichkeiten der Abklärung einer Harnwegsinfektion aus dem Urin
Kurzfassung
Hintergrund: Harnwegsinfektionen (HWI) zählen weltweit zu den häufigsten Infektionserkrankungen. Trotzdem bleibt ihre korrekte Diagnostik manchmal eine Herausforderung. Unbedachte Anforderungen bzw. Anwendungen von diagnostischen Tests und Falschinterpretationen von positiven Testergebnissen können für Patienten und das Gesundheitssystem negative Folgen nach sich ziehen.
Ziel: Ziel dieser Arbeit ist es, die diagnostischen Grundlagen des HWI systematisch darzustellen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Präanalytik sowie auf den gängigen diagnostischen Verfahren wie dem Harnstreifentest, der Untersuchung des Harnsediments und dem Einsatz von Spezialmedien für Urinkulturen.
Methoden: Es handelt sich um eine reine Literaturrecherche. Für die Literatursuche wurden vor allem Studien über PubMed herangezogen.
Ergebnisse: Die Diagnostik einer HWI kann in der klinischen Praxis trotz ihrer Häufigkeit eine Herausforderung darstellen. Fehlinterpretationen diagnostischer Befunde können sowohl zu einer Übertherapie mit Antibiotika als auch zu einer verzögerten Behandlung mit potentiell schwerwiegenden Folgen für Patient:innen führen. Die Aussagekraft und Qualität diagnostischer Tests ist wesentlich von der Präanalytik abhängig. Das heißt, es muss auf eine korrekt gewonnene Harnprobe geachtet werden, wobei die Gewinnung des Mittelstrahlurins (MSU) die Methode der Wahl ist. Alternative und im Hinblick auf Kontaminationen sicherere Methoden wie die Einmalkatheterisierung oder die suprapubische Blasenpunktion bleiben aufgrund der Invasivität besonderen Situationen vorbehalten – vor allem, wenn es nicht (gut) möglich ist, eine Probe aus dem Mittelstrahl zu gewinnen. Grundsätzlich sollten diagnostische Verfahren (mit Ausnahmen) nur bei entsprechender Symptomatik angewendet werden. Der Harnstreifentest wird als initiales Screeningverfahren eingesetzt, wobei die Resultate stets im klinischen Kontext zu bewerten sind. Die Untersuchung des Harnsediments ergänzt die Diagnostik und die daraus gewonnenen Informationen können in differentialdiagnostische Überlegungen (renale Beteiligung?) einfließen. Darüber hinaus ermöglicht sie eine Beurteilung der Probenqualität, wobei zu viele Plattenepithelien pro Gesichtsfeld als Hinweis für eine nicht exakt durchgeführte Präanalytik dienen. Als Goldstandard zur HWI-Diagnostik gilt die Urinkultur. Traditionellerweise wird eine signifikante Bakteriurie ab einer Keimzahl von 10^5 KBE/mL (Kass-Zahl) angenommen, wobei zu beachten ist, dass je nach Geschlecht und vorhandenen Risikofaktoren auch niedrigere Grenzwerte klinisch relevant sein können. Trotz ihres Status als Goldstandard kann auch die Urinkultur im Hinblick auf die Diagnose einer HWI unspezifisch sein. Falsch positive Befunde können aufgrund einer asymptomatischen Bakteriurie, die insbesondere bei älteren Patienten häufig vorkommt, oder kontaminierter Harnproben, auftreten. Speziell in diesem Kontext ist noch einmal zu unterstreichen, dass diagnostische Tests für eine HWI nicht unkritisch bzw. ohne klare Indikation eingesetzt werden sollten, da vor allem auch (falsch-) positive Harnkulturen häufig eine antibiotische Therapie nach sich ziehen. Positive Testergebnisse müssen stets im klinischen Gesamtkontext bewertet werden.
Schlagwörter
Harnwegsinfektion, Diagnostik, Präanalytik, Harnstreifentest, Harnsedimentuntersuchung, Urinkultur
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Weber, Jürgen
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Enko, Dietmar; Priv.-Doz. Dr.med.univ. MBA LL.M.
Mitbetreuer*in (intern)
Meinitzer, Andreas; Priv.-Doz. Mag. Dr.scient.med.
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