| Hintergrund
Das Erleben, für andere eine Belastung zu sein („perceived burdensomeness“; PB), wird international vor allem als Risikofaktor im Kontext suizidbezogener Forschung untersucht. Einflussfaktoren auf PB in der wachsenden Bevölkerungsgruppe älterer Pflegegeldempfänger*innen sind bislang kaum empirisch beschrieben. Ziel dieser Arbeit war es daher, Prädiktoren von PB in diesem Kollektiv zu analysieren.
Methodik
Grundlage der theorie- und hypothesengeleiteten Sekundäranalyse war eine österreichweite Querschnittserhebung aus dem Jahr 2016 mit 493 Pflegegeldempfänger*innen in Privathaushalten. PB, gemessen mit dem INQ-10, wurde in Beziehung zu soziodemografischen Merkmalen, funktionellen Einschränkungen (ADLs), depressiven Symptomen (CES-D) sowie pflegebezogenen Variablen mittels deskriptiver Statistik, univariater linearer Regressionen und hierarchischer multipler Regression (n = 457) untersucht.
Resultate
PB war insgesamt gering ausgeprägt (M = 2,66; Skala 1–7). Höhere PB-Werte fanden sich bei Männern sowie bei Personen mit stärkeren funktionellen Einschränkungen und ausgeprägterer depressiver Symptomatik. Im finalen Regressionsmodell erklärten depressive Symptomatik (β = 0,34) und funktionelle Einschränkungen (β = 0,23) als stärkste Prädiktoren, gemeinsam mit Geschlecht und einem inversen Alterseffekt, rund ein Viertel der PB-Varianz (R² = 0,249).
Conclusio
Der deutliche Zusammenhang mit depressiver Symptomatik und funktionellen Einschränkungen unterstreicht die interprofessionelle und biopsychosoziale Bedeutung von PB, insbesondere in Zeiten multipler Krisen und alternder Bevölkerung. Diese Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Beschreibung von PB-Prädiktoren im Spektrum der Pflegebedürftigkeit und bildet dabei einen Referenzpunkt für künftige, idealerweise longitudinale Studien in diesem Bereich.
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