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Bibliografische Informationen
Titel
Praxis der Palliativen Sedierung einer spezialisierten Palliativstation: eine retrospektive Studie
Kurzfassung
Einleitung: Die palliative Sedierung ist in der Palliativmedizin eine Maßnahme,
um am Lebensende mittels Sedierung ansonsten therapierefraktäre Symptome zu
behandeln und auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Es ist kein Ziel der
Sedierung das Sterben zu beschleunigen, was sie damit deutlich von der
Sterbehilfe abgrenzt. Es gibt mit der tiefen bzw. oberflächlichen und der
kontinuierlichen bzw. intermittierenden verschiedene Arten der Sedierung. Das
gängigste Mittel zu Sedierung ist hierfür das Midazolam.
Material und Methoden: Es handelte sich hier um eine retrospektive,
monozentrische Kohortenstudie an der UPE des Univ.-Klinikums LKH Graz. Es
wurden demographische und medikamentöse Daten in einem Zeitraum von 10
Jahren (2014-2023) von allen auf der UPE verstorbenen Patient*innen erhoben.
Bei Patient*innen mit palliativer Sedierung erfolgte zusätzlich die Erhebung der
Indikation, Entscheidungsfindung, Überwachungsmaßnahmen, Art, Dauer und
Dosis der Sedierung. Ziel der Studie war die deskriptive Beschreibung der
Charakteristika von Patient*innen, welche mit palliativer Sedierung auf der UPE
verstorben waren. Auch sollten prädiktive Faktoren und die Überlebenszeit im
Vergleich zu den nicht-sedierten analysiert werden.
Ergebnisse: Von den 1745 (53,9% ♂; 46,0% ♀) verstorbenen Patient*innen
erhielten 606 (53,3% ♂; 46,7% ♀) eine palliative Sedierung (34,7%). Die sedierten
Patient*innen waren signifikant leichter (Δ 3 kg; p= 0,02), jünger (Δ 5,9 Jahre; p<
0,001) und hatten eine längere Erkrankungsdauer (Δ 3 Monate; p= 0,012).
Häufiger wurden zudem Patient*innen mit oberen GI-Trakt- Tumoren (p= 0,038),
Sarkomen (p= 0,038) und ZNS-Tumoren (p= 0,019) sediert. Seltener hingegen
Patient*innen mit pankreobiliären Tumoren (p= 0,023) und mit infektiöser
Hauptdiagnose (p= 0,034). Bei der Dauer zwischen Aufnahme und Versterben
zeigt sich eine längere Aufenthaltsdauer (11,28 d vs. 8,69 d; p< 0,001) bei den
sedierten Patient*innen. Wenn der Zeitraum von Therapiezieländerung auf CTC
bis zum Tod betrachtet wird, ist kein Unterschied zwischen den Gruppen
festzustellen (p= 0,27). Am häufigsten wurde eine kontinuierliche (77,8%) und tiefe
V
(67,5%) Sedierung angestrebt. Häufigste Indikation hierbei waren Angst (61,6%),
Dyspnoe (43,3%) und ein qualvoller Sterbeprozess (37,3%). Bei 38,8% konnte ein
ausdrückliches Einverständnis des*der Patienten*in erhoben werden. Eine
zusätzliche Überwachung erfolgte in 26,8% der Fälle, zumeist die Atemfrequenz
und die Sedierungstiefe. Die Sedierung erfolgte in 96,0% nur mittels Midazolam
und 87,3% wurden zusätzlich Opioide verabreicht. Die durchschnittliche
Midazolamlaufrate war bei Start 1,15 mg/h (2,47 mg/h am Ende) mit einer
durchschnittlichen Sedierungsdauer von 45 Stunden. Am Start war die Dosierung
bei der Oberflächlichen geringer (p< 0,001), am Ende hingegen zeigten sich keine
Unterschiede. Am Start zeigte sich eine niedrigere Dosis bei den Gruppen
„Infektiös“ und „Dermatologie“, am Ende bei „Mammakarzinom“, „Infektiös“ und
„nicht-maligne“. Eine höhere Dosis zeigte sich am Start bei der Gruppe „ZNS“ und
am Ende bei den Gruppen „Sarkom“ und „Schilddrüsenkarzinom“.
Diskussion:
Es zeigt sich, dass die palliative Sedierung eine häufig verwendete Maßnahme auf
der Palliativstation darstellt. Bei richtiger Anwendung und korrekter
Indikationsstellung ist sie zudem ein effektives Werkzeug, um therapierefraktäre
Symptome zu behandeln, ohne dabei eine Lebenszeitverkürzung zu verursachen.
Sie findet ihre Anwendung vor allem bei ansonsten noch jüngeren, fitteren
Patient*innen. Bei manchen Diagnosen wird häufiger eine Sedierung, auch mit
abweichenden Dosierungen, benötigt, aber es ist davon auszugehen, dass die
individuellen Symptome auschlaggebend sind. Weitere, vor allem prospektive
Studien, sind hilfreich, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Schlagwörter
Palliativmedizin; palliative Sedierung; Palliativstation
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Krenss, Matthias Simon
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Universitätsklinik für Innere Medizin
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Stotz, Michael; Univ. FA Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med.
Mitbetreuer*in (intern)
Huemer, Matthias; Dr.med.univ. Dr.scient.med.
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