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Medizinische Universität Graz    

Meine Abschlussarbeiten - Publikationen

Diplomarbeit - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Vergleich der pterionalen und der supraorbitalen Kraniotomie bei der Behandlung nicht rupturierter intrakranieller Aneurysmen  
 Einleitung: Die pterionale Kraniotomie ist der etablierte Standardzugang für das mikrochirurgische Clipping nicht rupturierter intrakranieller Aneurysmen. Minimalinvasive Verfahren wie die supraorbitale Kraniotomie, die auf eine Reduktion des chirurgischen Traumas abzielen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Diese Studie vergleicht beide Zugänge hinsichtlich intra- und postoperativer Komplikationen sowie funktioneller und klinischer Ergebnisse.



Methoden: Retrospektiv wurden Daten von 241 Patient*innen analysiert, die zwischen Januar 2004 und Dezember 2023 am LKH-Universitätsklinikum Graz wegen nicht rupturierter intrakranieller Aneurysmen mittels pterionaler oder supraorbitaler Kraniotomie (Clipping und/oder Wrapping) operiert wurden. Erfasst wurden demografische Daten, Aneurysmamorphologie, operative Parameter, Komplikationen und klinische Resultate. Die Outcomes wurden ein und zwölf Monate postoperativ anhand der modifizierten Rankin-Skala (mRS) bewertet.



Resultate: 241 Patient*innen (66,2 % Frauen, Durchschnittsalter: 55,5 Jahre) mit insgesamt 266 nicht rupturierten Aneurysmen wurden über einen pterionalen (n = 170; 70,5 %) oder einen supraorbitalen (n = 71; 29,5 %) Zugang operiert. Schwere intraoperative Komplikationen inklusive einer Aneurysmaruptur traten häufiger in der supraorbitalen Gruppe als in der pterionalen Gruppe auf (26,8 % vs. 8,8 %, p < 0,001). Nach pterionaler Kraniotomie traten häufiger Kaubeschwerden (13,5 % vs. 1,4 % p = 0,002) und eine Atrophie des M. temporalis (8,2 % vs. 1,4 %, p = 0,029) auf, während die supraorbitale Kraniotomie gehäuft mit Hyp-/Anosmie (8,5 % vs. 1,4 %, p = 0,013) assoziiert war. Zudem waren bei der supraorbitalen Kraniotomie die stationäre Aufenthaltsdauer (7,96 vs. 8,76 Tage, p = 0,001) kürzer und die Kraniotomiegröße (4,98 cm² vs. 20,35 cm², p < 0,001) signifikant kleiner. Der pterionale Zugang wurde bevorzugt bei ACM-Aneurysmen eingesetzt (79,2 %), während ACI- und AcoA-Aneurysmen häufiger über einen supraorbitalen Zugang operiert wurden. Die Aspect Ratio war in der pterionalen Gruppe signifikant höher (1,65 vs. 1,37; p = 0,013). Es wurden keine signifikanten Unterschiede bei der 30-Tage Mortalität (p = 0,521), den langfristigen funktionellen Ergebnissen (p = 0,899), dem vollständigen Aneurysmaverschluss (p = 0,077), den Rezidivraten (p = 0,122), der Notwendigkeit eines temporären Clippings (p = 0,162), der OP-Dauer (p = 0,151), der Art des Aneurysmenverschlusses (p = 0,242), der Aneurysmamorphologie (p = 0,565) und der Aneurysmaanzahl (p = 0,953) festgestellt.



Diskussion: Beide Zugangswege erweisen sich als geeignete Optionen für das mikrochirurgische Management nicht rupturierter intrakranieller Aneurysmen, wobei die Wahl des Zugangs individualisiert unter Berücksichtigung patient*innenspezifischer Faktoren und aneurysmabezogener Eigenschaften erfolgen sollte. Der pterionale Zugang ist häufiger mit Muskelatrophie und Kaubeschwerden assoziiert, während beim supraorbitalen Zugang ein erhöhtes Risiko für intraoperative Aneurysmarupturen sowie postoperative Riechstörungen besteht. Trotz dieser unterschiedlichen Komplikationsprofile zeigen beide Verfahren vergleichbare Langzeitergebnisse.

 
 Pterionale Kraniotomie, Supraorbitale Kraniotomie, Aneurysmaclipping  
 
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 Neurochirurgie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Pongratz, Uschi
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Neurochirurgie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Wolfsberger, Stefan; Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ.
  Brunner, Anna; Univ. FÄ Dr.med.univ.