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Diplomarbeit - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Das schwere Schädel-Hirn-Trauma beim Bergsport in der Steiermark. Verletzungsmuster, Behandlung und Ergebnis. Eine retrospektive Studie.  
 Hintergrund: Die Steiermark bietet mit ihrer vielfältigen Landschaft und den unterschiedlichen Höhenlagen optimale Bedingungen für nahezu sämtliche Formen des Bergsports. Naturgemäß sind die Sportler*innen damit auch einem gewissen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Das Schädel-Hirn-Trauma stellt in diesem Zusammenhang ein potentiell lebensbedrohliches und dauerhaft einschränkendes Verletzungsmuster dar. Anhand dieser Arbeit werden die epidemiologischen Aspekte dargestellt und die verschiedenen Bergsportarten sowie deren Unfallursachen miteinander verglichen. Ein zentraler Schwerpunkt liegt in der Analyse der typischen Verletzungsmuster, ihrer neurochirurgischen Versorgung und ihrer daraus resultierenden Folgen.



Methoden: Es handelt sich um eine retrospektive, deskriptive Studie basierend auf Daten des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) und der steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) aus den Jahren 2008 bis 2024. Es konnten 1.192 Fälle (ÖKAS) und 20 Fälle (KAGes) nach dem Ausschlussverfahren in die Studie eingeschlossen werden.



Ergebnisse: Die epidemiologische Auswertung ergab ein Durchschnittsalter von 47 Jahren, wobei 62% männlich und 37,8% weiblich waren. Der Großteil der betroffenen Fälle stammte aus Österreich (67,7%), gefolgt von Deutschland (12,8%), Ungarn (5,6%) und der Tschechischen Republik (4%). Die am häufigsten betriebenen Sportarten waren Schifahren (54,6%), Wandern/Bergsteigen (19,4%), Klettern (5,6%), Snowboarden (4,1%) und Mountainbiking (4%). Kollisionen (54,4%), Stürze (27,7%), Aufprall gegen Hindernisse (4,4 %) und Abstürze (4,3%) stellten die führenden Unfallursachen dar. In 24,3 % der Fälle lag eine schwere Verletzung vor, wohingegen 7,6% der Unfälle tödlich endeten. Von insgesamt 20 klinischen Fällen erlitten 16 Patient*innen (80%) Schädelfrakturen und 18 (90%) intrakranielle Blutungen. In allen Fällen erfolgte die Implantation einer ICP-Sonde, in 8 Fällen (40%) die Anlage einer externen Ventrikeldrainage und in 6 Fällen (30%) wurden intrakranielle Hämatome entleert. Bei 8 Patient*innen (40%) wurden rekonstruktive Eingriffe durchgeführt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation lag bei 20 Tagen. Das mediane Outcome nach der Glasgow Outcome Scale (GOS) lag bei einem Wert von 3.



Schlussfolgerung: Das Schädel-Hirn-Trauma stellt trotz moderner Sicherheitsausrüstungen eine relevante medizinische Gefahr bei Bergsportunfällen dar. Im Untersuchungszeitraum ist kein klarer Trend hinsichtlich der Häufigkeit von Kopfverletzungen zu beobachten. Während das Schifahren zwar den größten Anteil der Unfälle ausmacht, zeigen sich schwerwiegende oder tödliche Schädelverletzungen vor allem beim Schitourengehen, Variantenfahren, Klettern, Wandern, Mountainbiking und Rodeln. Gleichzeitig kann das Risiko tödlicher Kopfverletzungen durch die Verwendung eines Helms reduziert werden. Die vorliegende Arbeit liefert einen umfassenden Überblick über diese Thematik, der am Universitätsklinikum Graz in dieser Form bisher nicht wissenschaftlich dargelegt wurde.  
 Schädel-Hirn-Trauma; Bergsport; Steiermark; Kopfverletzungen; Schifahren; Snowboard; Schitour; Klettern; Rodeln; Mountainbiking; Variante; Wandern; Bergsteigen; Sturz; Absturz; Kollision  
 
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 Neurochirurgie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Erlbacher, Andreas
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Neurochirurgie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Unger, Frank; Ao.Univ.-Prof. Dr.med.
  Pichlsberger, Melanie; Dr.med.univ.