| Hintergrund
Chronisch-entzündliche Dermatosen wie die atopische Dermatitis und Psoriasis vulgaris
zählen zu den häufigsten Hauterkrankungen mit teils erheblichem Leidensdruck für die
Betroffenen. Im Mittelpunkt steht häufig der Juckreiz, der in beiden Krankheitsbildern als
besonders quälend empfunden wird und die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Die
311-nm-Schmalspektrum-UVB-Phototherapie (NB-UVB-Phototherapie) stellt eine
etablierte Therapieoption dar, deren antientzündliche Wirkung gut belegt ist. Der spezifisch
juckreizlindernde Effekt wurde bislang jedoch nur unzureichend systematisch untersucht.
Zielsetzung
Ziel dieser retrospektiven Arbeit war es, den Einfluss der NB-UVB-Phototherapie auf den
subjektiven Juckreiz und die Lebensqualität bei Patient*innen mit atopischer Dermatitis und
Psoriasis vulgaris zu untersuchen. Dabei wurde der Fokus auf die Erhebung praxisrelevanter
Veränderungen in klinischen Scores gelegt.
Methodik
Im Rahmen dieser retrospektiven Analyse wurden 50 Patient*innen eingeschlossen. Von
diesen konnten insgesamt 62 Behandlungsverläufe ausgewertet werden, da manche
Patient*innen die NB-UVB-Phototherapie mehrfach im Untersuchungszeitraum in
Anspruch genommen hatten. Die Einschätzung des Juckreizes erfolgte über den peak
pruritus NRS (PP-NRS) und den average NRS (AV-NRS), die Lebensqualität wurde mittels
Dermatology Life Quality Index (DLQI) erhoben. Die Werte vor und nach der Therapie
wurden jeweils verglichen. Zusätzlich wurden Limitationen bei der Datenerhebung sowie
organisatorische Aspekte kritisch reflektiert.
Ergebnisse
Bei Patient*innen mit atopischer Dermatitis zeigte sich nach Abschluss der NB-UVBPhototherapie eine deutliche Linderung des Juckreizes. Der PP-NRS verringerte sich im
Mittel um 1,6 Punkte von einem Ausgangswert von 5,7 auf 4,1. Gleichzeitig nahm die
Standardabweichung von 3,1 auf 2,2 Punkte ab, was insgesamt eine statistisch signifikante
Verbesserung widerspiegelt (p < 0,05). Auch der AV-NRS reduzierte sich signifikant um
1,5 Punkte, von 4,7 auf 3,2 (p < 0,05). Die zugehörige Standardabweichung nahm dabei
leicht von 2,4 auf 2,2 Punkte ab. Parallel dazu konnte beim Dermatology Life Quality Index
(DLQI) eine signifikante Steigerung der Lebensqualität beobachtet werden: Der Mittelwert
V
des DLQI reduzierte sich um 4,8 Punkte, von 12,2 auf 7,4 mit einer statistisch signifikanten
Verbesserung (p < 0,05). Die Standardabweichung des DLQI verringerte sich hierbei
geringfügig von 7,5 auf 7,2. Klinisch relevante Verbesserungen, definiert als eine Abnahme
der Werte um mindestens vier Punkte, traten bei rund einem Drittel der Patient*innen für die
Juckreiz-Scores und bei der Hälfte für den DLQI auf.
Bei Psoriasis vulgaris fiel die Besserung noch ausgeprägter aus. Der PP-NRS verringerte
sich im Durchschnitt um 3,4 Punkte, von 5,1 auf 1,7, was einer hochsignifikanten
Verbesserung (p < 0,001) entspricht; gleichzeitig nahm die Standardabweichung deutlich
von 3,4 auf 1,8 ab. Der AV-NRS sank signifikant um 2,5 Punkte, von 3,8 auf 1,3 (p < 0,001),
begleitet von einer Reduktion der Standardabweichung von 2,7 auf 1,3. Auch die
Lebensqualität zeigte eine deutliche und statistisch hochsignifikante Zunahme: Der mittlere
DLQI-Wert reduzierte sich um 6,6 Punkte, von 11,7 auf 5,1 (p < 0,001). Die
Standardabweichung verringerte sich dabei von 6,9 auf 6,4 Punkte.
Insgesamt erreichten über 70 % der Psoriasis-Patient*innen eine klinisch relevante
Verbesserung der Lebensqualität, während fast die Hälfte eine deutliche Reduktion des
Juckreizes verzeichnete.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse dieser Arbeit bestätigen die signifikante juckreizlindernde Wirkung der NBUVB-Phototherapie bei AD und PV, insbesondere bei Psoriasis vulgaris. Die Therapie war
gut verträglich und führte zu relevanten Verbesserungen der Lebensqualität. Praktische
Herausforderungen zeigten sich vor allem bei der Datenerhebung: Unvollständig ausgefüllte
Fragebögen, begrenzte Therapietreue der Patient*innen und fehlende Nachverfolgung
schränkten die Auswertung einzelner Fälle ein. Eine Digitalisierung der Erhebung sowie
fremdsprachige Versionen der Fragebögen könnten zukünftige Studien verbessern. |