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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Das Serotoninsyndrom im systematischen Review: Auslöser, Diagnose, Behandlung  
 Zusammenfassung



Einleitung

Das Serotoninsyndrom stellt eine iatrogene Komplikation im klinischen Alltag dar, die durch Interaktion verschiedener Arzneimittel hervorgerufen wird. Da Psychopharmaka nicht die einzige Wirkstoffgruppe mit serotonergen Eigenschaften bilden und in den vergangenen Jahren ein Aufwärtstrend hinsichtlich ihrer Verschreibung und Einnahme beobachtet werden konnte, kann davon ausgegangen werden, dass das Risiko für die Entstehung eines Serotoninsyndroms über die Jahre gestiegen ist. Die steigende Nachfrage nach Psychopharmaka und Schmerzmitteln, aber auch Polypharmazie sowie die unsachgemäße Einnahme diverser Arzneimittel, sei dies nun mangelnder Aufklärung durch Fachpersonal, selbstschädigendem Verhalten, rezeptfreier Verfügbarkeit von Wirkstoffen oder schlichtweg Unwissenheit über die potenziell gefährlichen Wechselwirkungen geschuldet, unterstreichen die Relevanz dieser Arbeit. Obgleich das Serotoninsyndrom lebensbedrohliche Verläufe nehmen kann, weiß ein hoher Prozentsatz des medizinischen Personals nicht einmal um dessen Existenz. Das Serotoninsyndrom ist eine spärlich dokumentierte Entität; das derzeitige Wissen darüber basiert größtenteils auf Beobachtungen, die in Form von Fallberichten dokumentiert wurden. Studien hingegen gibt es nur wenige. Das Ziel dieser Arbeit ist daher, einen gemeinsamen Nenner in der eher uneinheitlichen Fachliteratur zu finden, um daraus schließen zu können, was in Hinblick auf diese Komplikation als gesichert angesehen werden kann. Der Zweck dieses Reviews besteht darin, die häufigsten, aber auch gefährlichsten Arzneimittelinteraktionen, sowie charakteristische Symptome zu ermitteln. Wie kann man das Serotoninsyndrom von dessen wichtigsten Differenzialdiagnosen unterscheiden, und welche Therapie hat sich bewährt? Mithilfe dieser Arbeit soll mehr Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass das Serotoninsyndrom eine vermeidbare Komplikation ist, die durch ausreichende Kenntnis von Arzneimittelinteraktionen, einer ausführlichen Anamnese und umsichtiger Verschreibungskultur erst gar nicht eintreten muss.



Methoden

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine systematische Recherche der Literatur in der Datenbank PubMed (MEDLINE) durchgeführt. Gesucht und analysiert wurde in erster Linie Primärliteratur in Form von Studien und Fallberichten. Bei der Literatursuche wurde systematisch zuerst nach dem PICO-Schema vorgegangen. Da durch diese Strategie nur wenig geeignete Literatur gefunden werden konnte, wurde daraufhin auch rückführend gesucht. Das gefundene Material wurde anschließend gezielt auf dessen Eignung geprüft, wodurch die Menge der auszuwertenden Daten weiter eingegrenzt werden konnte.



Ergebnisse

Im Zuge der Literatursuche wurde größtenteils Material in Form von Fallberichten gefunden. Die wenigen randomisierten, kontrollierten Studien, die gefunden wurden, erfolgten am Tiermodell. Aus der Datenanalyse ist zu entnehmen, dass unter den Arzneimitteln, die an der Genese des Serotoninsyndroms beteiligt sein können, die Gruppe der Antidepressiva und Opioide für die höchste Anzahl an Fällen verantwortlich zeichnen. Todesfälle sind eher selten, eine intensivmedizinische Betreuung hingegen ist häufig notwendig, wobei sich ein Großteil der Patient*innen auch wieder komplett erholt. Die Behandlung mit Cyproheptadin hat sich bewährt, obgleich der Wirkstoff nur selten verfügbar ist. Die Ähnlichkeit und das überlappende Auftreten von Serotoninsyndrom und dem malignen neuroleptischen Syndrom erschweren Diagnose und Therapieregimen. Die Symptome, welche im Rahmen der Datenanalyse am häufigsten dokumentiert wurden, sind Tachykardie, Hyperthermie, Agitation und Diaphorese. In der Diagnostik kamen die Hunter-Kriterien am öftesten zum Einsatz.



Diskussion

Anhand der Datenanalyse konnten einige Schlüsse gezogen werden, die zur Beantwortung der Kernfragen von großem Nutzen waren. Allerdings fiel die Anzahl der Studien, welche außerdem in ihren Fragestellungen eher heterogen waren und meist nur eine kleine Studienpopulation vorweisen konnten, dürftig aus. Vor allem in Bezug auf die physiologischen Vorgänge im Gehirn ist noch Vieles ungeklärt; diese wurden bislang erst an Tieren untersucht. Um profunde Aussagen treffen zu können, ist weit mehr Forschungsarbeit im Sinne von groß angelegten multizentrischen beziehungsweise kontrollierten klinischen Studien und/oder Register notwendig. Um zukünftig angemessene Präventionsmaßnahmen, gezielte Diagnostik und vereinheitlichte Therapieempfehlungen gewährleisten zu können, ist eine systematische Forschungsarbeit essenziell. Es gilt, das Bewusstsein in Bezug auf das Serotoninsyndrom und dessen Risiken sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit unter den betreffenden Berufsgruppen zu stärken, um in Zukunft eine höhere Patient*innensicherheit zu ermöglichen.





 
   
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Klampfer, Kerstin Julia
Betreuende Einrichtung / Studium
  Lehrstuhl für Pharmakologie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Beubler, Eckhard; Univ.-Prof.i.R. Mag.pharm. Dr.
  Heinemann, Akos; Univ.-Prof. Dr.med.univ.