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Diplomarbeit - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Der Einfluss der mütterlichen Ernährung und entzündungsfördernde Lebensmittelaufnahme während der Schwangerschaft auf das Humane Milch-Oligosaccharid (HMO)-Profil im Nabelschnurblut und Kolostrum  
 Zusammenfassung

Einleitung

Humane Milch-Oligosaccharide (HMOs) sind bioaktive, komplexe Zucker, die primär in der Muttermilch aber auch im Nabelschnurblut und im maternalen Serum vorkommen. Die Zusammensetzung des individuellen HMO-Profils wir dabei durch nicht-modifizierbare und modifizierbare Einflussfaktoren bestimmt.

Nicht-modifizierbare Faktoren, insbesondere genetische Determinanten, sind bereits umfassend beschrieben. Dagegen liegen bislang nur wenige Studien zu modifizierbaren Einflussfaktoren vor. Sowohl die maternale Ernährung während der Schwangerschaft als auch ihr inflammatorisches Potenzial könnten dabei eine zentrale Rolle spielen. Nabelschnurblut und die frühe Form der Muttermilch, das Kolostrum, bilden ein biologisches Kontinuum der Ernährung des Fetus sowie des heranwachsenden Kindes und stellen zugleich das früheste Expositionsmedium von HMOs dar.

Ziel dieser Arbeit war es, den Zusammenhang zwischen der mütterlichen Ernährung und den im Nabelschnurblut und im Kolostrum gemessenen HMOs zu untersuchen. Da die mütterliche Ernährung einen potenziellen modifizierbaren Einflussfaktor des HMO-Profils darstellt, ist die Untersuchung ihres Zusammenhangs mit frühen HMO-Profilen von besonderer Relevanz. Insbesondere das inflammatorische Potenzial der Ernährung könnte regulatorische Prozesse der HMO-Biosynthese beeinflussen und somit die frühe HMO-Exposition des Fetus und des Neugeborenen modulieren. Diese Erkenntnisse könnten perspektivisch die Grundlage für Ernährungsbasierte Interventionen während der Schwangerschaft bilden.

Methoden

Im Zuge dieser Arbeit wurden Ernährungsprotokolle sowie HMO-Daten, welche aus Nabelschnurblut und Kolostrum gewonnen wurden, analysiert. Mit Hilfe von retrospektiven und prospektiven standardisierten Ernährungsprotokollen wurden die Nahrungsaufnahme und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln von 80 Probandinnen erfasst. Die Nährstoffanalyse erfolgte mit der Software nut.s. Ausgehend vom ursprünglichen Studienkollektiv wurden die nutritiven Daten von 45 Frauen mit dem HMO-Profil der entsprechenden Proben korreliert.

In der Interpretation der Ergebnisse wurde zusätzlich ein Fokus auf pro- und anti-inflammatorischen Nährstoffe, welche der westlichen und der mediterranen Diät entsprechen, gelegt.

Ergebnisse

Bei der Analyse der Korrelationen zwischen den im Nabelschnurblut gemessenen HMOs und einzelnen Nährstoffen zeigten sich überwiegend negative Zusammenhänge. 2`FL korrelierte negativ mit der Gesamtmenge an Proteinen (r=-0.418, p=0.042*), Fetten (r=-0.454, p=0.026*), Monosacchariden (r=0.45, p=0.028*), Ballaststoffen (r=-0.45, p=0.027*), Eisen (r=-0.605, p=0.002**), Vitamin A (r=-0.446, p=0.029*) und der Mehrheit der B-Vitamine. Die fukosylierten HMOs, mit 2`FL als Hauptvertreter, folgten einem ähnlichen Muster.

Verglichen mit den Analysen im Nabelschnurblut, konnten wir im Kolostrum deutlich häufiger statistisch signifikante Ergebnisse, sowie ein breiteres Spektrum moderater Korrelationskoeffizienten, beobachten. Die Gesamtmenge der HMOs im Kolostrum, sowie einige individuelle HMOs im Kolostrum, korrelierten negativ mit der mütterlichen Aufnahme ausgewählter Makro- und Mikronährstoffe, darunter Ballaststoffe (r=-0.339, p=0.032*), Kohlenhydrate (r=-0.333, p=0.036*), Eisen (r=0.333, p=0.036*), Vitamin A (r=-0.324, p=0.041*) und Vitamin E (r=-0.318, p=0.045*). Zusätzlich zeigten sich positive Korrelationen zwischen einzelnen HMOs und Omega-3-Fettsäuren. Die wiederholte Beobachtung ähnlicher Korrelationsmuster im Kolostrum spricht dabei für einen potenziellen Zusammenhang zwischen der mütterlicher Nährstoffaufnahme und der Zusammensetzung des HMO-Profils.

Diskussion/Schlussfolgerungen

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen Assoziationen zwischen der mütterlichen Ernährung während der Schwangerschaft und dem HMO-Profil im Nabelschnurblut sowie im Kolostrum, erlauben jedoch aufgrund des explorativen Designs keine kausalen Aussagen. Die zugrundeliegenden Mechanismen der potenziellen nutritiven Modulation des HMO-Profils bleiben unklar, und könnten kompensatorische, enzymatische, immunologische oder metabolische Prozesse umfassen.

Schlussfolgernd lässt sich durch unsere Arbeit die Hypothese ableiten, dass sowohl die quantitative und qualitative Zusammensetzung der maternalen Ernährung als auch ihr inflammatorisches Potenzial Einfluss auf die Zusammensetzung der HMO-Profile in Nabelschnurblut und Kolostrum haben könnte. Diese Arbeit ist daher als hypothesengenerierend zu verstehen und liefert eine Grundlage für weiterführende Studien, die diese Zusammenhänge in größeren Kollektiven näher untersuchen sollten.  
 Humane Milch-Oligosaccharide; Muttermilch; Schwangerschaft; Ernährung  
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Schreibmaier, Johanna
Betreuende Einrichtung / Studium
  Medizinische Universität Graz
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Holasek, Sandra Johanna; Univ.-Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr.rer.nat.
  Jantscher-Krenn, Evelyn; Univ.-Ass. Priv.-Doz. Mag.pharm. Dr.rer.nat.