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Diplomarbeit - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Der Zusammenhang zwischen genetischen Polymorphismen und der Ausscheidung von Trimethylsulfonium beim Menschen  
 Schwefelwasserstoff (H2S), meist bekannt als toxisches Gas und seit Neuestem als dritter endogener Gasotransmitter anerkannt, erfüllt vielfältige Funktionen in der Signalübertragung bei Säugetieren. Sein vollständiger Stoffwechsel ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Die Messung endogener H2S-Spiegel gestaltet sich auf Grund seiner instabilen Eigenschaften schwierig. Die kürzliche Entdeckung von Trimethylsulfonium (TMS) im Urin eröffnet ein vielversprechendes Biomarkerpotential für H2S, da TMS ein stabiles, leicht messbares Entgiftungsprodukt von H2S darstellt. Seine Konzentrationen im Urin liegen im Nanomolbereich, ähnlich wie die geschätzten H2S-Spiegel, und deuten darauf hin, dass TMS ein genauerer Marker sein könnte als Thiosulfat, der bisherige Biomarker für akute H2S-Intoxikationen.



Studien zeigen inter- und intraindividuelle Unterschiede in den TMS-Spiegeln, die zwei deutlich getrennte Cluster bilden und Individuen als „TMS-Produzenten“ oder „Nicht-Produzenten“ klassifizieren. Dieses Muster ähnelt den Urinkonzentrationen von Trimethylselenonium (TMSe), die durch drei Single-Nucleotide-Polymorphismen (SNPs) im Indolethylamin N-Methyltransferase (INMT)-Gen beeinflusst werden. Die Entgiftung von H2S zu TMS wird vom gleichen Enzym katalysiert, wodurch beide Stoffwechselwege verknüpft sind.



In dieser Studie wurden drei INMT-SNPs (rs6970396, rs2302340, rs2302339) und deren Zusammenhang mit der TMS-Ausscheidung bei 100 gesunden, Geschlechter-gematchten kaukasischen Probanden aus der BioPersMed-Kohorte (Medizinische Universität Graz, Österreich) untersucht. Die TMS-Konzentrationen im Urin wurden mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie (HPLC-MS/MS) bestimmt, die Genotypisierung erfolgte mit dem TaqMan®-Assay. Die statistische Auswertung wurde mit IBM® SPSS® durchgeführt. Der SNP rs6970396 zeigte eine signifikante Assoziation mit erhöhten TMS-Spiegeln (p < 0,001). Aufgrund der niedrigen Frequenz von Homozygoten (AA-Genotyp) und da eine frühere Studie zu TMSe gezeigt hat, dass der Non-Production-Phänotyp einem rezessiven Modell folgt, wurden homozygote und heterozygote A-Allelträger zusammengefasst (8).



Die TMS-Konzentrationen zeigten zwei Cluster mit einem 15-fachen Unterschied, verglichen mit einem 100-fachen Unterschied bei TMSe. Dies weist auf einen stärkeren Einfluss des SNPs auf TMSe hin und legt nahe, dass der SNP zwar die Gesamtaktivität von INMT für TMS beeinflussen könnte, jedoch in einem geringeren Ausmaß für TMSe. Die interindividuelle Variabilität der TMS-Spiegel blieb auch nach Stratifikation nach rs6970396 bestehen, was auf weitere Einflussfaktoren hinweist. Starke Kopplungsgleichgewichte erschweren die Identifikation der primären regulatorischen Variante.



Insgesamt verdeutlicht diese Studie, wie genetische Variation im INMT Gen zu interindividuellen Unterschieden in den TMS-Konzentrationen beiträgt und liefert damit eine Grundlage für zukünftige klinische Forschung. Für eine zuverlässige Interpretation von TMS-Werten sollten zukünftige Studien konsequent eine genetische Typisierung oder eine-TMSe-Urinphänotypisierung einbeziehen.

 
 Trimethylsulfonium; TMS; Schwefelwasserstoff; H2S; Polymorphismen; Single nucleotide polymorphism; SNP; INMT; Indolethylamin N-Methyltransferase; Assoziation; Urin; Biomarker; Biomarker im Harn; Schwefel; rs6970396; rs2302340; rs2302339  
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Laglstorfer, Carina Maria
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Innere Medizin
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Trummer, Olivia; Sen.Scientist Priv.-Doz. Dr.scient.med. MSc
  Lajin, Bassam; Priv.-Doz. Dr. rer. nat.
  Obermayer-Pietsch, Barbara; Univ.-Prof. Dr.med.univ.