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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Effekte der Regionalanästhesie auf das postoperative Sturzriskio nach KTEPs  
 Zusammenfassung



Hintergrund

Periphere Nervenblockaden (PNB) sind ein zentraler Bestandteil multimodaler Analgesiekonzepte nach Knie-Totalendoprothese (KTEP), um Schmerzen zu lindern, den Opioidbedarf zu reduzieren und die frühe Mobilisation zu unterstützen. Klinisch gebräuchlich sind vor allem der Adduktorenkanal-Block, Femoralisnerv-Block, Ischiadikus- und Obturatorius-Block. Intrahospitale Stürze nach KTEP sind sicherheitsrelevant und können mit periprothetischen Frakturen, Wundkomplikationen, Mobilisationsverzögerungen und längerer stationärer Aufenthaltsdauer assoziiert sein. Femoralbasierte Blockaden können die Kniestreckkraft reduzieren und damit Transfers und Standphasen in der Frühmobilisierung beeinträchtigen. Ziel der Studie war die konfigurationsspezifische Analyse des intrahospitalen Sturzrisikos nach primärer KTEP in Abhängigkeit von Anästhesieart und PNB-Strategie.



Material und Methoden

Es handelt sich um eine monozentrische retrospektive beobachtende Kohortenstudie (Juni 2017 bis Dezember 2022) nach Genehmigung durch das lokale Ethikkomitee. Die Fälle wurden über ICD-Kodierung aus dem Krankenhausregister identifiziert und mit elektronischen Patientenakten sowie der Anästhesiedokumentation verknüpft. Stürze wurden aus dem standardisierten Sturzmeldesystem der Station erhoben. Von 1802 identifizierten primären KTEP-Fällen wurden 383 ausgeschlossen (u. a. unvollständige Historien, unikompartimentelle Arthroplastik, Revisionsoperation), sodass 1419 primäre KTEP-Eingriffe analysiert wurden. Das primäre Outcome war ein dokumentierter Sturz vom Operationsende bis zur Entlassung. Expositionen waren Anästhesieart (Allgemein- vs. Spinalanästhesie) und die PNB-Konfiguration. PNB wurden ausschließlich als Single-Shot durchgeführt. Analysiert wurden keine PNB (NO_PNB), alleiniger Femoralisblock (FEM) und kombinierter Femoralis-Ischiadikus-Block (FEM+ISCH). Seltene Konfigurationen ohne Ereignisse wurden deskriptiv berichtet. Univariable Vergleiche erfolgten mittels exaktem Fisher-Test, Mann-Whitney-U-Test oder Kruskal-Wallis-Test. Unabhängige Zusammenhänge wurden mit binärer logistischer Regression (Adjustierung für Alter, BMI, Geschlecht, Anästhesieart und ASA 3-4 vs. 1-2) geschätzt.



Ergebnisse

Insgesamt traten in der untersuchten Kohorte 52 intrahospitale Stürze auf (3,7%). Alter, BMI, Geschlecht, Anästhesieart und ASA-Status unterschieden sich zwischen der Sturz- und Nicht-Sturz-Gruppe nicht signifikant. PNB-Exposition war unter Sturzfällen häufiger. Die Sturzinzidenz betrug 6/471 (1,27%) ohne PNB, 11/230 (4,8%) nach FEM und 35/702 (5,0%) nach FEM+ISCH. In seltenen Konfigurationen (nur Ischiadicus n=9; andere PNB n=7) traten keine Stürze auf. Univariabel waren die Odds-Ratio für Sturz erhöht für FEM vs. NO_PNB (OR 3,89; 95%-KI 1,42-10,66; Bonferroni-p=0,022) und für FEM+ISCH vs. NO_PNB (OR 4,07; 95%-KI 1,70-9,75; Bonferroni-p=0,0015). FEM+ISCH vs. FEM unterschied sich nicht signifikant (OR 1,04; 95%-KI 0,52-2,09). Im multivariablen Modell blieben femoralbasierte Strategien unabhängig assoziiert: FEM aOR 3,72 (95%-KI 1,35-10,23; p=0,011) und FEM+ISCH aOR 4,45 (95%-KI 1,70-11,65; p=0,002). ASA 3-4 zeigte einen nicht signifikanten Trend zugunsten eines erhöhten Sturzrisikos (aOR 1,78; p=0,065). Alter, BMI, Geschlecht und Anästhesieart waren nicht signifikant. Die Modelltrennschärfe war moderat (AUC 0,663; 95%-KI 0,594-0,730).



Schlussfolgerungen

In der untersuchten Kohorte waren femoralbasierte Single-Shot-PNB (mit oder ohne zusätzliche Ischiadikusblockade) mit einem klinisch relevanten, etwa vierfach erhöhten intrahospitalen Sturzrisiko nach primärer KTEP verbunden. Die Ergebnisse sprechen für konfigurationsspezifische Effekte und sind mit der Hypothese einer motorischen Beeinträchtigung durch femoralbasierte Blockaden vereinbar. Klinisch sollten bei Einsatz femoralbasierter Blockaden strukturierte Sturzprävention und engmaschige Supervision in der Frühmobilisation priorisiert sowie motorikschonende Analgesiealternativen geprüft werden.

 
 KTEP; PNB; postoperatives Sturzrisiko;  
 
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 Orthopädie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Eissner, Max
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Sadoghi, Patrick; Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ.et scient.med.
  Schroedter, René; Dr.med.univ.