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Medizinische Universität Graz
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Betreute Abschlussarbeiten
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Deutsch
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Bibliografische Informationen
Titel
Mosaik-Trisomie 15 beim Prader-Willi-Syndrom mit mütterlicher uniparentaler Disomie – Ein Fallbericht und eine retrospektive Studie über das Auftreten einer Mosaik-Trisomie 15 in weiteren Fällen
Kurzfassung
Einleitung: Die maternale uniparentale Disomie (matUPD) wurde als molekulare Ursache für 36 % der Fälle mit Prader-Willi-Syndrom (PWS) identifiziert. Als primärer
Mechanismus der Entstehung einer matUPD wird die Trisomie-Rettung diskutiert. Hierbei wird ein Non-Disjunction-Fehler in der Meiose I oder II korrigiert, indem aus
einer trisomischen Zygote ein Chromosom entfernt wird. Non-disjunction-Fehler wurden mit fortgeschrittenem mütterlichem Alter in Verbindung gebracht. Hinweisend für
diesen Mechanismus sind Fälle, in denen eine Mosaik-Trisomie zusätzlich zu einer uniparentalen Disomie im Gewebe oder in der Plazenta nachgewiesen wurde. In Bezug
auf das PWS wurden bisher acht Fälle veröffentlicht, in denen eine Mosaik-Trisomie 15 (MT15) in fetalem Gewebe oder Blut von Betroffenen mit matUPD festgestellt wurde.
Nur in zwei Fällen wurde eine MT15 aus peripheren Blutproben nachgewiesen. Laut Literatur wird bei Betroffenen mit gleichzeitiger MT15 und matUPD 15 ein schwererer
Phänotyp diskutiert. Diese Arbeit beschreibt den zweiten dokumentierten Fall eines lebend geborenen männlichen Kindes mit matUPD bei PWS, bei dem zusätzlich
eine MT15 im peripheren Blut nachgewiesen werden konnte. In Anlehnung an den beschriebenen Fallbericht wurden weitere Betroffene mit mütterlicher UPD und väterlicher
UPD auf das Vorhandensein einer MT15 untersucht, unter der Annahme, dass das Vorkommen einer zusätzlichen MT15 höher sein könnte als bisher berichtet.
Methoden: Für die genetischen Analysen wurden Lymphozyten aus dem peripheren Blut des acht Tage alten Kindes entnommen. Zunächst wurden eine Whole-Exome-
Sequenzierung und eine methylation-specific multiplex ligation-dependent probe amplification (MS MLPA) durchgeführt. Anschließend wurde eine Trio-Genotyp-Analyse
(vom Säugling und beider Elternteile), unter Verwendung eines single nucleotide polymorphism (SNP)-Arrays, durchgeführt. Die zytogenetische Analyse erfolgte anhand
einer Blutprobe, als das Kind 16 Monate alt war. Im Rahmen der retrospektiven Studie wurden mit PWS und Angelman-Syndrom diagnostizierte Probandinnen und Probanden
mit einem auffälligen Methylierungsmuster am Chromosom 15 kontaktiert, wodurch 4 Probandinnen und Probanden in die Studie eingeschlossen werden konnten
(3x maternale UPD und 1x paternale UPD). Bei diesen wurden periphere Blutproben mithilfe von SNP-array-Analysen und klassischer Zytogenetik auf das Vorhandensein
einer MT15 untersucht.
Ergebnisse: In der genetischen Diagnostik des Kindes zeigte die MS MLPA eine Hypermethylierung in der kritischen Region von Prader-Willi auf Chromosom 15 sowie
eine normale Kopienzahl, wodurch eine Deletion ausgeschlossen werden konnte. Trio- Genotyp und SNP-Array ergaben eine vollständige heterodisomische matUPD 15 sowie
eine geringgradige MT15 (ca. 10 %). Die zytogenetische Untersuchung ergab einen normalen männlichen Karyotyp ohne Anzeichen einer Trisomie. Die Mutter des Kindes ist
eine 38-jährige Erstgebärende. Klinisch weist das Kind einen relativ milden Phänotyp auf und zeigt bisher eine für das PWS altersgerechte Entwicklung ohne schwere
kongenitale Fehlbildungen. In der retrospektiven Studie konnte bei den vier Probandinnen und Probanden keine MT15 festgestellt werden, weder durch die zytogenetische
Analyse noch durch den SNP-Array.
Diskussion: Der Fallbericht liefert weitere Belege dafür, dass die Trisomie-Rettung nach Meiosefehlern der primäre Mechanismus bei der Entwicklung einer matUPD 15
ist. Außerdem zeigt sich auch in diesem Fall ein Zusammenhang einer matUPD mit erhöhtem mütterlichem Alter. Die klinischen Erkenntnisse im aktuellen Fall deuten
zudem darauf hin, dass Betroffene mit geringgradiger MT15 und matUPD 15 im peripheren Blut nicht zwangsläufig einen schwereren PWS-Phänotyp aufweisen müssen.
Zusätzlich untermauert der Fallbericht die Wirksamkeit der SNP-Array-Analyse zur Erkennung einer MT15. Diese Beobachtung aus der aktuellen Arbeit stützt die Empfehlung
einer Array-Untersuchung bei zukünftigen Fällen mit UPD 15 zur Detektion einer möglichen MT15. Dies ist erforderlich, um in Zukunft die tatsächliche Häufigkeit einer MT15
bei UPD 15 sowie phänotypische Merkmale bei Betroffenen bestimmen zu können
Schlagwörter
Prader Willi Syndrom; Uniparentale Disomie; Trisomy Rescue; Trisomic Rescue; Mosaik Trisomie 15;
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Sachgebiete
Humangenetik
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Pitzl, Sabine Stefanie
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Diagnostik & Forschungsinstitut für Humangenetik
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Geigl, Jochen Bernd; Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr.med.
Mitbetreuer*in (intern)
Kaufmann, Lukas; Dr.scient.med. MSc
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