Loading
Medizinische Universität Graz    

Meine Abschlussarbeiten - Publikationen

Abschlussarbeit(en) (Universitätslehrgang) - Detailansicht

Wichtigste Meldungen anzeigenMeldungsfenster schließen
Bibliografische Informationen
 Wer hat die Wahl? Das österreichische Wahlarzt-System zwischen Kassen- und Privatmedizin  
 Hintergrund und Ziele:

Das österreichische Gesundheitssystem ermöglicht es gesetzlich Krankenversicherten, bei Ärzt:innen ohne Kassenvertrag ("Wahlärzt:innen") Leistungen in Anspruch zu nehmen und dafür eine teilweise Kostenerstattung zu erhalten. Dieses "Wahlarzt-System" soll einerseits die freie Arztwahl für Patient:innen und andererseits die Niederlassungsfreiheit für Ärzt:innen gewährleisten. Die Arbeit untersucht die Hintergründe dieses Systems, seine Stellung zwischen öffentlicher und privater Gesundheitsversorgung und die Verteilungseffekte der Inanspruchnahme.

Methoden:

Ausgehend von einer historischen Analyse der Entstehung des Wahlarzt-Systems im Rahmen der Einführung des ASVG 1956 werden Sekundärdaten zur Bedeutung des privaten Gesundheitssektors in Österreich ausgewertet. Den Kern der Arbeit bildet eine Analyse von Abrechnungsdaten aus der Wahlarzt-Kostenerstattung der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse aus dem Jahr 2019. Die Daten werden deskriptiv statistisch im Vergleich mit Daten aus dem Kassenbereich analysiert.

Ergebnisse:

Historisch ist das Wahlarzt-System ein politischer Kompromiss, der die Interessen der Ärzt:innen und Krankenversicherungen ausgleichen sollte. Österreich hat im Vergleich hohe private Gesundheitsausgaben und einen wachsenden Wahlarzt-Sektor. Die Datenanalyse zeigt, dass Frauen den Wahlarzt-Sektor deutlich häufiger in Anspruch nehmen. Die von Patient:innen geleisteten Zuzahlungen sind mit durchschnittlich 60% des Rechnungsbetrags beträchtlich. Der Wahlarzt-Sektor ist deutlich kleiner und teurer als der Kassenbereich und von Fachärzt:innen dominiert.

Schlussfolgerungen:

Aufgrund der hohen Zuzahlungen ist fraglich, ob das Wahlarzt-System die freie Arztwahl für alle Versicherten gleichermaßen gewährleisten kann. Die Daten legen nahe, dass auch ohne Recht auf Kostenerstattung eine freiberufliche ärztliche Tätigkeit in Österreich möglich wäre. Für eine umfassendere Analyse der Versorgungsqualität und der Motive von Ärzt:innen und Patient:innen im Wahlarzt-Sektor besteht weiterer Forschungsbedarf.

 
   
 
 2025  
   Volltext downloaden
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Sargant, Benedikt; Bakk.rer.soc.oec. MSc (WU)
Betreuende Einrichtung / Studium
  Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
 UO 992 503 Universitätslehrgang; Master of Public Health (MPH)  
Betreuung / Beurteilung
  Ostermann, Herwig