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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Notärztliche Versorgung von Frühgeborenen nach ungeplanter außerklinischer Geburt in der Steiermark - Eine retrospektive Fallanalyse der Jahre 2017–2024  
 Einleitung

Ungeplante außerklinische Geburten stellen für den Notarztdienst eine seltene, jedoch potenziell kritische Einsatzsituation dar. Insbesondere Frühgeburten sind mit erhöhten Anforderungen an die präklinische Versorgung sowie mit einem gesteigerten Risiko für neonatale Morbidität und Mortalität verbunden. Für die Steiermark lagen bislang keine systematisch erhobenen Daten zur Häufigkeit notärztlich begleiteter außerklinischer Geburten und zum Outcome der betroffenen Neugeborenen vor. Ziel dieser Arbeit war die retrospektive Analyse ungeplanter außerklinischer Geburten unter besonderer Berücksichtigung von Frühgeburten, präklinischen Versorgungsaspekten und dem neonatalen Outcome.

Methoden

In dieser retrospektiven Studie wurden alle notärztlich begleiteten außerklinischen Geburten im Zeitraum von Jänner 2017 bis August 2024 erfasst. Als Datengrundlage dienten die Einsatzdokumentationen des Amts der Steiermärkischen Landesregierung für Notfall- und Katastrophenmedizin sowie der Rettungsleitstelle des Österreichischen Roten Kreuzes, Landesverband Steiermark. Die identifizierten Fälle wurden mit den Aufnahmedaten der geburtshilflichen und pädiatrischen Abteilungen der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft abgeglichen. Die erhobenen Variablen umfassten maternale Charakteristika (Gravidität, Parität), geburtshilfliche Parameter (Gestationsalter, Geburtsgewicht, Geburtsumstände), präklinische Versorgungsmaßnahmen sowie neonatale Outcome-Parameter einschließlich Mortalität und Aufnahmetemperatur.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 173 ungeplante außerklinische Geburten dokumentiert, darunter 16 (9%) Frühgeburten < 37+0 Schwangerschaftswoche (SSW). Der Median (IQR) der Gravidität betrug 3 (2–3), jener der Parität 2 (2–3). In 19 (11%) Fällen handelte es sich um Erstgebärende, in neun (5%) Fällen lag eine unbekannte oder negierte Schwangerschaft vor. Fünf (3%) Geburten erfolgten aus Beckenendlage.

Das mediane (IQR) Gestationsalter lag bei 39,4 SSW (38,7–40,0), das Geburtsgewicht bei 3250 g (2980–3460). Das unreifste Frühgeborene wurde in der 26+4 SSW mit einem Gewicht von 845 g geboren.

96 (55%) Neugeborene waren weiblich, 76 (44%) männlich, bei einem (1%) Neugeborenen wurde das Geschlecht nicht dokumentiert.

Fünf (3%) Neugeborene – vier Frühgeborene und ein Reifgeborenes – verstarben peripartal.

Bei sechs von 13 (46%) stationär aufgenommenen Frühgeborenen wurde die Aufnahmetemperatur dokumentiert. Der Median (IQR) betrug 34,8 °C (33,9–35,7), die niedrigste gemessene Temperatur lag bei 31,5 °C.

Schlussfolgerung

Präklinische Frühgeburten stellten im untersuchten Zeitraum von 7 Jahren ein seltenes Ereignis dar, waren jedoch mit erheblichen Anforderungen an die präklinische Versorgung verbunden. In diesen Notfallsituationen sahen sich Notärztinnen und Notärzte sowie Rettungskräfte mit komplexen medizinischen, organisatorischen und kommunikativen Herausforderungen konfrontiert, insbesondere hinsichtlich der initialen Einschätzung der Vitalität, der Entscheidung über Reanimationsmaßnahmen sowie des adäquaten Temperaturmanagements unmittelbar nach der Geburt. In der vorliegenden Analyse wiesen präklinisch geborene Frühgeborene im Vergleich zu Reifgeborenen eine erhöhte Komplikationsrate sowie eine höhere Mortalität auf.

Die überwiegend hypothermen Aufnahmetemperaturen und die unvollständige Dokumentation dieses prognostisch relevanten Parameters unterstreichen die Bedeutung strukturierter präklinischer Maßnahmen bei außerklinischen Frühgeburten. Standardisierte Handlungsempfehlungen, gezielte Schulungskonzepte sowie die frühzeitige Einbindung spezialisierter neonatologischer Intensivtransportteams erscheinen geeignet, die Versorgungsqualität zu verbessern und das neonatale Outcome dieser Hochrisikogruppe zu optimieren.  
 Erstversorgung; präklinisch; Frühgeborene; Steiermark  
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Leonhartsberger, Helena
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Schwaberger, Bernhard; Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med.