Loading
Medizinische Universität Graz
Meine Abschlussarbeiten - Publikationen
Diplomarbeit - Detailansicht
Gehe zu
Betreute Abschlussarbeiten
Sprachversion
Deutsch (Sprache des Volltextes)
Englisch
Bibliografische Informationen
Titel
Evaluierung des Teilprojekts Landarztzukunft im Rahmen des Projekts Attraktivierung Allgemeinmedizin: Welchen Einfluss hatte eine Teilnahme am Projekt auf die weitere ärztliche Berufslaufbahn?
Kurzfassung
Hintergrund:
Das sich immer weiter zuspitzende Missverhältnis zwischen dem Bedarf und dem tatsächlichen Angebot primärmedizinischer kassenärztlicher Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum, lässt darauf schließen, dass der Fachbereich Allgemeinmedizin für Medizinabsolvent*innen nicht ausreichend attraktiv ist.
Seit 2017 wird vom Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierter Versorgungsforschung (IAMEV) der Medizinischen Universität Graz das Projekt Landarztzukunft angeboten, welches 2019 in das organisationsübergreifende Rahmenprojekt Attraktivierung Allgemeinmedizin integriert wurde. Die hauptfinanzierenden Partner sind der Gesundheitsfonds Steiermark und die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK). Medizinstudent*innen der Medizinischen Universität Graz erhalten die Möglichkeit innerhalb ihres klinisch-praktischen Jahres oder im Rahmen einer Famulatur das Arbeiten von Landärzt*innen kennenzulernen.
Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, zu identifizieren, inwieweit die Teilnahme am Projekt die Entscheidung der Teilnehmer*innen für ihre späteren ärztlichen Fachbereiche beeinflusst hat.
Methoden:
Es wurde ein Mixed-Methods-Design gewählt mit dem Ziel, die Aussagekraft der Studie durch die Verknüpfung beider Ansätze zu stärken. Es wurde zuerst eine quantitative Befragung der Teilnehmer*innen im Untersuchungszeitraum in Form eines Online-Fragebogens via LimeSurvey durchgeführt. Danach erfolgten 10 leitfadengestützte Interviews mit ehemaligen Teilnehmer*innen. Die Auswertung der quantitativ erhobenen Daten erfolgte mittels deskriptiver Statistik, die Interviews wurden transkribiert, pseudonymisiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker analysiert.
Ergebnisse:
75 der 110 Teilnehmer*innen des Untersuchungszeitraums konnten für die Umfrage kontaktiert werden. Von diesen 75 Personen füllten 48% (n=36) den Fragebogen vollständig aus. 36,1% (n=13) gaben an, in der Allgemeinmedizin tätig zu sein oder sich in entsprechender Ausbildung zu befinden, 44,4% (n=16) hatten sich für einen anderen Fachbereich entschieden, 19,4% (n=7) befanden sich zum Umfragezeitpunkt noch im Studium. 58,3% (n=21) waren weiblich, 38,9% (n=14) männlich, ein*e Teilnehmer*in macht zum Geschlecht keine Angabe. Der Altersdurchschnitt der Umfrageteilnehmer*innen lag bei 29,7 Jahren.
Als Motivatoren für die Allgemeinmedizin konnten insbesondere die Vielseitigkeit des Berufs, die kontinuierliche Betreuung der Patient*innen und das Erleben positiver Rollenvorbilder herausgestellt werden.
Hemmende Faktoren waren für die Teilnehmer*innen die als mangelhaft empfundene Abgrenzung von Berufs- und Privatleben im Ort der Niederlassung, das Leben auf dem Land als solches, fachspezifische Arbeitsweisen in der Niederlassung sowie die als unstrukturiert wahrgenommene postgraduale Ausbildung.
Die Projektteilnahme konnte die Entscheidung der Teilnehmer*innen, welche sich für die Allgemeinmedizin entschieden, wie folgt beeinflussen: Jene, die sich bereits für diese Fachrichtung interessierten, erlebten insbesondere ein positives, authentisches Rollenvorbild durch den*die Haus*ärztin, das Kennenlernen der vielseitigen Tätigkeiten des Fachs sowie den offenen Erfahrungsaustausch mit den Ärzt*innen und anderen Teilnehmer*innen als bestätigend und verstärkend für ihre Entscheidung.
Für jene, die bereits frühzeitiger im Studium im Rahmen einer Famulatur am Projekt teilnahmen, konnte die Teilnahme ihr Interesse für die Allgemeinmedizin initial wecken.
Bei Teilnehmer*innen, die sich bereits zuvor für einen anderen Fachbereich entschieden hatten, zeigte sich kein Einfluss des Projekts auf die Fachbereichswahl.
Fazit:
36% der Umfrage-Teilnehmer*innen, welche im betrachteten Untersuchungszeitraum von 2019 bis einschließlich September 2025 am Projekt Landarztzukunft teilnahmen, sind aktuell in der Allgemeinmedizin tätig oder befinden sich in der Ausbildung zum*zur Allgemeinmediziner*in.
Mit Hinblick auf den Einfluss des Projekts lässt sich festhalten, dass eine Teilnahme am Projekt Landarztzukunft bisher vorrangig jene Medizinstudent*innen, die bereits ein Grundinteresse für die Allgemeinmedizin mitbrachten, in ihrer Motivation für das Fach bestärken konnte. Bei denjenigen Student*innen, die schon früher im Studienverlauf eine Famulatur im Projekt absolvierten, konnte die Teilnahme das Interesse für das Fach wecken. Student*innen, die sich für einen anderen Fachbereich entschieden, beschrieben ihre Erfahrungen im Rahmen der Projektteilnahme zwar durchaus als positiv, wurden dadurch in ihrer vorbestehenden Entscheidung für das jeweilige andere Fach jedoch nicht beeinflusst.
Schlagwörter
Allgemeinmedizin; Landarztzukunft; Attraktivierung Allgemeinmedizin; Landarzt*ärztin; Primärversorgung; Hausarzt*ärztin
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Bruhn, Julia Rebecca
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Siebenhofer-Kroitzsch, Andrea; Univ.-Prof. Dr.med. MBA
Mitbetreuer*in (intern)
Spary-Kainz, Ulrike; Sen.Lecturer Dr.med.univ.
Loading ...