Loading
Medizinische Universität Graz
Meine Abschlussarbeiten - Publikationen
Diplomarbeit - Detailansicht
Gehe zu
Betreute Abschlussarbeiten
Sprachversion
Deutsch (Sprache des Volltextes)
Englisch
Bibliografische Informationen
Titel
Ein Vergleich der steirischen Tötungsdelikte aus den Jahren 1920-1929 / 1960-1969 / 2000-2009
Kurzfassung
Die retrospektive Studie zu Tötungsdelikten in der Steiermark, die auf dem Obduktionsgut des Diagnostik- und Forschungsinstituts für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Graz aus den Zeiträumen 1920-1929, 1960-1969 und 2000-2009 basiert, zeigt einen kontinuierlichen Rückgang sowohl der absoluten Fallzahlen als auch der Tötungsdeliktraten pro 100.000 Einwohner (Steiermark). Hinsichtlich der Opferprofile zeigten sich markante Verschiebungen: Kinder, insbesondere Säuglinge waren in früheren Perioden häufiger Opfer tödlicher Gewalt, wobei dieser Anteil im jüngsten Zeitraum deutlich zurückging. Gleichzeitig verlagerte sich die Vulnerabilität hin zu den mittleren und höheren Altersgruppen. Während in den ersten beiden Erhebungszeiträumen männliche Opfer dominierten, zeigte sich von 2000 bis 2009 erstmals eine Mehrheit weiblicher Opfer, häufig mit Täter*innen aus dem familiären oder partnerschaftlichen Umfeld. Diese Entwicklung wurde besonders bei der Analyse der Opfer ab 65 Jahren deutlich.
Über alle Zeiträume hinweg konnte eine konstante Dominanz männlicher Täter beobachtet werden, wobei weibliche Täterinnen einen kleineren, aber stabilen Anteil ausmachten. Im Laufe der Zeit ist zudem eine strukturelle Alterung des Täterprofils zu beobachten. Jüngere und mittelalte Täter*innen wurden durch Täter*innen in mittleren bis höheren Altersklassen abgelöst. Bei der vertiefenden Analyse der Altersrelationen zeigte sich ein durchgängiges Muster, bei dem Opfer mehrheitlich jünger als die Täter*innen sind, stark beeinflusst durch Kindstötungen. Die Beziehungsverhältnisse zwischen den Opfern und Täter*innen zeigen eine dynamische Entwicklung, wobei der familiäre Kontext stets dominant blieb. Partnerschaftliche Naheverhältnisse erlebten nach einem Rückgang in den 1960ern einen starken Anstieg in den 2000ern. Zudem traten im jüngsten Zeitraum Delikte durch Ex-Partner*innen erstmals nennenswert auf.
Bei der primär angewandten Gewalt zeigte sich der Waffeneinsatz als die dominierende Gewaltform, wobei Schneidewerkzeuge am häufigsten eingesetzt wurden. Auffällig ist der Anstieg in der Verwendung von Erstickungsmitteln in jüngster Zeit und ein Wandel von traditionellen Giften zu medikamentösen Vergiftungen. Bei den Tatorten ist eine zunehmende Konzentration auf den privaten Bereich festzustellen. Eine klare jahreszeitliche Verteilung konnte nicht beobachtet werden. Einflussfaktoren wie Alkohol und Suchtmittel wurden im jüngsten Zeitraum besser dokumentiert, erlauben aber keine weitreichenden Rückschlüsse auf zeitliche Entwicklungen.
Zusammenfassend legen die gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen sowie die beobachteten Trends nahe, dass sich der generell rückläufige Trend der Tötungsdelikte in der Steiermark fortsetzen wird. Gleichzeitig muss aber betont werden, dass Gewalt im familiären und partnerschaftlichen Kontext, trotz gesetzter Präventionsmaßnahmen, eine hartnäckige Form von Gewalt darstellt, welche in Zukunft gezielt adressiert werden muss.
Schlagwörter
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Klug, Larissa Maria
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Diagnostik & Forschungsinstitut für Gerichtliche Medizin
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Heinze, Sarah; Univ.-Prof. Dr.med.
Loading ...