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Medizinische Universität Graz
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Bibliografische Informationen
Titel
Potenzial monoklonaler Zytokin-Antikörper in der Therapie psychiatrischer Erkrankungen
Kurzfassung
Psychiatrische Erkrankungen gehen sowohl für Betroffene, als auch für die Gesellschaft mit einer hohen Krankheitslast und gravierenden Folgen einher. Die drei Erkrankungen mit der höchsten Krankheitslast umfassen die Depression, die Bipolare Störung und die Schizophrenie. Für alle drei der genannten Erkrankungen ergibt sich eine gegenwärtige Therapielücke in Form eines unzureichenden Ansprechens auf herkömmliche Therapeutika. Eine vielversprechende, neuartige Therapieform stellt die der Inflammationsreduktion dar, da die Ausbildung und Persistenz einer Neuroinflammation über mehrere Mechanismen in der Genese psychiatrischer Störungen impliziert ist. In Form eines narrativen Literaturreviews werden in dieser Arbeit pathophysiologische Prozesse der Entstehung und Unterhaltung eines neuroinflammatorischen Milieus ergründet, deren Folgen dargelegt und anschließend existierende Literatur zur Anwendung monoklonaler Zytokin-Antikörper hinsichtlich der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen analysiert. Hierzu wurde mittels Pubmed und Google Scholar sowie den Schlagwörtern „monoclonal antibodies“ in Kombination mit entweder „depression“, „schizophrenia“ oder „bipolar disorder“ nach relevanten Quellen gesucht, diese gesammelt und aufbereitet.
Stress, Infektionen und eine Dysregulation des Darmmikrobioms sind neben anderen Faktoren an der Entstehung von Neuroinflammation beteiligt, während Veränderungen der grauen und weißen Substanz Folgen einer dauerhaften Entzündungsreaktion darstellen. Neben diesen Alterationen konnte in dieser Arbeit auch die Mitbeteiligung einer dysregulierten Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, eines gestörten Kynurenin-Stoffwechsels, einer gestörten Freisetzung des „brain-derived neurotrophic factors“ (BDNF), sowie eines veränderten Tetrahydrobiopterin-Stoffwechsels gezeigt werden. Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist die Analyse des Potenzials monoklonaler Zytokin-Antikörper in der Therapie der Depression, der Bipolaren Störung und der Schizophrenie. Insgesamt neun inkludierte Studien untersuchten die Wirkung eines Antikörpers bei primärer psychiatrischer Symptomatik und 18 Publikation den Effekt bei sekundärer Symptomatik im Rahmen von Grunderkrankungen wie beispielsweise der Psoriasis oder der rheumatoiden Arthritis. Einige der eingeschlossenen Studien verzeichneten, verglichen mit einer Placebogruppe, signifikante Verbesserungen der psychiatrischen Symptomatik der Studienteilnehmer*innen anhand validierter klinischer Assessment-Tools. Insgesamt konnten zwei Studien zu TNF-α-Antikörpern, zwei zu einem Interleukin-6-Rezeptor-Antikörper und eine Studie zu einem IL-1ß-Antikörper signifikante Ergebnisse bei primärer psychiatrischer Symptomatik erzielen. Bei sekundärer psychiatrischer Symptomatik erzielten fünf Studien zu TNF-α-Antikörpern, eine Publikation zu einem IL-23-Antikörper, fünf zu IL-17A-Antikörpern, zwei zu einem IL-12/23-Antikörper, eine Studie zu einem IL-4/13-Antikörper sowie drei Publikationen zu Antikörpern gegen das Interleukin-6 oder dessen Rezeptor signifikante Ergebnisse. Die restlichen fünf inkludierten Studien brachten keine signifikanten Ergebnisse hinsichtlich einer Verbesserung psychiatrischer Symptome hervor und umfassten drei Studien zu TNF-α-Antikörpern, sowie zwei Studien zu einem IL-6-Rezeptor-Hemmer.
Die Auswertung der klinischen Studien offenbarte eine geringe Anzahl verfügbarer Studien, eine hohe methodische Heterogenität, eine häufig geringe Stichprobengröße und potenzielle Interessenkonflikte durch eine Beteiligung von Pharmafirmen in der Erstellung und Durchführung von Studien.
Die in dieser Arbeit beschriebenen Ergebnisse können zum jetzigen Zeitpunkt keine klare Empfehlung für einen Einsatz von Anti-Zytokin-Antikörpern in einem generellen psychiatrischen Patient*innenkollektiv liefern. Insgesamt zeigen sich dennoch Hinweise auf einen potenziellen Einsatz bei Erkrankten mit hohen peripheren Entzündungsmarkern, wie dem CRP oder dem Interleukin-6, weshalb der Bedarf für weitere Forschung und Studien gegeben ist.
Schlagwörter
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Binder, Christoph
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Lehrstuhl für Pharmakologie
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Farzi, Aitak; Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ. PhD.
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