Loading
Medizinische Universität Graz    

Meine Abschlussarbeiten - Publikationen

Diplomarbeit - Detailansicht

Wichtigste Meldungen anzeigenMeldungsfenster schließen
Bibliografische Informationen
 Neueste Erkenntnisse zur pharmakodynamischen Wirkweise von Lithium  
 Lithium zählt seit seiner Entdeckung durch John F. J. Cade im Jahr 1949 zu den bedeutendsten stimmungsstabilisierenden Medikamenten der modernen Psychiatrie. Bis heute gilt es als Goldstandard in der Akutbehandlung und Rückfallprophylaxe der bipolaren Störung. Trotz seiner langjährigen und breiten klinischen Anwendung sind die zugrundeliegenden pharmakodynamischen Wirkmechanismen noch immer nicht vollständig aufgeklärt. Ziel dieser Arbeit war es, die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den zentralen molekularen Angriffspunkten von Lithium zusammenzufassen und ihre Bedeutung für neuronale Stabilität, Plastizität und therapeutische Wirksamkeit zu analysieren. Die Arbeit basiert auf einer Literaturauswertung der Jahre 2020 bis 2025 und berücksichtigt Ergebnisse aus molekularbiologischen, tierexperimentellen und klinischen Untersuchungen. Im Mittelpunkt standen die drei am besten belegten Signalachsen: die Inositol-Depletion-Hypothese, die Hemmung der Glykogensynthasekinase 3β (GSK-3β) sowie die Modulation des PI3K-Akt-mTOR-Signalwegs. Die verwendete Literatur weist darauf hin, dass Lithium die neuronale Signaltransduktion beeinflusst, indem es die Inositolmonophosphatase hemmt und dadurch den Phosphatidylinositol-Signalweg abschwächt, die Aktivität der GSK-3β reduziert und dadurch nachgeschaltete PI3K-Akt-mTOR-abhängige Prozesse beeinflusst. Diese Signalwege stehen in enger funktioneller Wechselwirkung und bilden ein komplexes regulatorisches Netzwerk, das zentrale zelluläre Prozesse wie Genexpression, Neurogenese, Synapsenbildung, Energiehaushalt und Autophagie steuert. Darüber hinaus wird die Bedeutung neurotropher Faktoren wie beispielsweise des brain-derived neurotrophic factor (BDNF) als gemeinsamer Endpunkt dieser Signalwege hervorgehoben. Lithium fördert über die Aktivierung von Transkriptionsfaktoren wie des cAMP response element-binding protein (CREB) und über die Aktivierung nachgeschalteter Mechanismen wie der Aktivität von mechanistic target of rapamycin (mTOR), die neuronale Plastizität und die Widerstandsfähigkeit gegenüber extrinsischem und intrinsischem zellulärem Stress. Diese Effekte tragen zur Erhaltung der strukturellen Integrität neuronaler Netzwerke und zur dauerhaften Stabilisierung affektiver Zustände bei. Die vorliegenden Befunde sprechen dafür, dass Lithium nicht isoliert wirkt, sondern gleichzeitig mehrere zelluläre Signalwege beeinflusst. Durch die Integration der beschriebenen Mechanismen entsteht ein konsistentes molekulares Modell, das die klinisch beobachteten neuroprotektiven und stimmungsstabilisierenden Effekte erklärt. Die Ergebnisse dieser Arbeit leisten damit einen Beitrag zu einem vertieften Verständnis der komplexen pharmakodynamischen Wirkweise von Lithium und unterstreichen seine anhaltende Relevanz als Referenzsubstanz in der Psychopharmakologie.

 
 Lithium;Pharmakodynamik;Psychiatrie;GSK-3β;BDNF;mTOR;Inositol-Depletion-Hypothese;PI3K-Akt;  
 
 –  
 Pharmakodynamik
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Melcher, Bennet; B.Sc.
Betreuende Einrichtung / Studium
  Lehrstuhl für Pharmakologie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Farzi, Aitak; Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ. PhD.