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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Konservative Therapie mit kortisonhaltigem Nasenspray bei hypertrophen Adenoiden im Kindesalter – eine retrospektive explorative Studie  
 Einleitung

Die Adenoidhypertrophie zählt zu den häufigsten Ursachen der nasalen Obstruktion im Kindesalter und äußert sich durch Mundatmung, Schnarchen, Tubenfunktionsstörungen und rezidivierende Mittelohrprobleme.

Therapeutischer Standard ist die Adenotomie, die als invasiver Eingriff in Vollnarkose mit operativen Risiken sowie einer geringen Rezidivrate behaftet ist. Als nicht invasive Alternative werden inhalative Glukokortikoide untersucht. Mehrere Metaanalysen belegen eine Reduktion der Adenoidgröße, eine geringere Symptomenlast sowie eine signifikant niedrigere Adenotomierate.

Standardisierte Behandlungsschemata und insbesondere Daten aus dem niedergelassenen Versorgungsalltag fehlen jedoch weitgehend.

Ziel dieser Arbeit war es, die konservative Therapie mit kortisonhaltigem Nasenspray bei Kindern bezüglich Wirksamkeit, Verträglichkeit und Therapiecompliance zu analysieren und zu dokumentieren.

Methoden

Eine retrospektive, multizentrische, explorative Kohortenanalyse wurde unter Verwendung der elektronischen Krankenakten von drei Ordinationen für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde durchgeführt.

Eingeschlossen wurden Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren mit gesicherter Diagnose hypertrophe Adenoide, die zwischen 1.Juni 2022 und 30.Juni 2025 über mindestens acht Wochen mit Mometason- oder Fluticason-Nasenspray behandelt wurden.

Primärer Endpunkt war die Vermeidung der Adenotomie unmittelbar nach Therapie (AD_nTh) sowie zum Zeitpunkt einer Follow-up-Untersuchung drei Monate nach Therapiebeginn (AD_nFu).

Sekundäre Endpunkte waren der Verlauf der Leitsymptome, Verträglichkeit und Anzahl der Therapieabbrüche.

Ergebnisse

Aus 1262 dokumentierten Behandlungsfällen wurden im ersten Schritt 560 Fälle ausgeschlossen, welche die Einschlusskriterien nicht erfüllten (146 wegen Unter- bzw. Überschreitung der definierten Altersgrenzen von 3 bis 10 Jahren, 414 wegen abweichender Therapiedauer), womit 702 Fälle verblieben. Im zweiten Schritt mussten weitere 263 Fälle nach Anwendung der Ausschlusskriterien ausgeschlossen werden. Es ergab sich eine finale Studienpopulation von 439 Kindern.

Der größte Anteil entfiel auf Ordination 1 (296;67,4%), gefolgt von Ordination 2 (133;30,3%) und Ordination 3 (10;2,3%). Über die Erhebungsjahre 2022 bis 2025 verteilten sich die Fälle mit 106, 127, 133 und 73.

Zur Anwendung kamen Mometason-Nasenspray bei 359 Kindern (81,8 %) und Fluticason-Nasenspray bei 80 Kindern (18,2 %). Die Therapiedauer betrug einheitlich acht Wochen.

Das mittlere Alter bei Therapiebeginn betrug 5,04 Jahre (SD 1,74; Median 5; Spannweite 3–10). Das Kollektiv war männlich dominiert mit 61,3% gegenüber 38,7% Mädchen.

Nach Therapieende bestand bei 31,4% der dokumentierten Kinder weiterhin eine Operationsindikation, während bei 68,6% der Kinder zu diesem Zeitpunkt eine Adenotomie vermieden werden konnte. Zum Follow-up nach 3 Monaten lag die Indikation bei 38,2%; bei 61,8% war weiterhin keine Operation erforderlich.

Es gab keinen statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Geschlecht und Endpunkt. Für AD_nTh betrug der Anteil der betroffenen Kinder bei Jungen 33,3% und bei Mädchen 28,4 %; für AD_nFu 40,3% bzw. 35,0%.

Nach Therapieende zeigte eine signifikante Besserung in allen Leitsymptomen. Der Anteil symptomatischer Fälle sank bei der behinderten Nasenatmung von 78,8% auf 26,7%, beim Schnarchen von 58,1% auf 17,5% und bei der Tubenfunktionsstörung von 64,8% auf 28,8%.

Die Therapie war in allen Fällen gut verträglich; ein Therapieabbruch wurde in keinem Fall dokumentiert. Hinsichtlich der dokumentierten Gesamtpopulation gab es nur einen Fall bei dem eine Unverträglichkeit und Therapieabbruch dokumentiert wurde.

Daten zum primären Endpunkt unmittelbar nach Therapieende konnten nahezu vollständig erhoben werden (3 fehlende Werte; 0,7%). Das Follow-up 3 Monate nach Therapiebeginn wurde bei 120 Kindern (27,3%) nicht dokumentiert.

Schlussfolgerung

Eine achtwöchige konservative Therapie mit intranasalen Glukokortikoiden konnte bei rund zwei Dritteln der Kinder eine Adenotomie verhindern und führte zu einer signifikanten, klinisch relevanten Besserung aller Leitsymptome bei ausgezeichneter Verträglichkeit. Der leichte Rückgang der Therapieeffekte zum Zeitpunkt der Follow-up-Untersuchung weist auf eine teils nachlassende Wirkung nach Absetzen der Therapie hin. Das bessere Ansprechen älterer Kinder steht möglicherweise im Zusammenhang mit den im Alter zunehmend günstigeren anatomischen Verhältnissen. Die Ergebnisse stützen intranasale Steroide als wirksame und sichere Therapieoption insbesondere bei leichter bis moderater Symptomatik und können zur evidenzbasierten Optimierung der Therapieentscheidung im niedergelassenen Bereich beitragen. Aufgrund des retrospektiven, unkontrollierten Designs sollen die Befunde primär der Hypothesengenerierung für prospektive, kontrollierte Studien dienen.  
 Adenoide, hypertrophe Adenoide, Adenoidhypertrophie, Adenoidhyperplasie, intranasale Glukokortikoide, Adenotomie  
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Dornbusch, Christoph Alexander
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Andrianakis, Alexandros; Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med.
  Moser, Ulrich Christian; Univ. FA Dr.med.univ.