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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Geräuschpegel auf der Intensivstation  
 Einleitung: Lärm auf Intensivstationen stellt einen erheblichen Stressfaktor dar und beeinträchtigt Schlaf, erhöht das Delir-Risiko und verzögert die Genesung kritisch kranker Patient*innen. Die WHO empfiehlt maximale Lautstärken von 35 [dB(A)] tagsüber und 30 [dB(A)] nachts. Internationale Studien zeigen jedoch regelmäßige Überschreitungen dieser Richtwerte. Ziel dieser Studie war die objektive Erfassung des Geräuschpegels auf den anästhesiologisch geführten Intensivstationen 1-3 am LKH-Universitätsklinikum Graz und der Vergleich mit WHO-Grenzwerten sowie zwischen Tag und Nacht.



Methoden: Diese prospektive deskriptive Beobachtungsstudie wurde als Teilanalyse einer laufenden Studie zum Einfluss von Licht und Lärm auf die Delirentwicklung auf der Intensivstation vom 01.10.2024 bis zum 01.10.2025 durchgeführt. Kontinuierliche Schallpegelmessung erfolgte mittels kalibrierter Schallpegelmesser (PCE-SLD 10, IEC 61672-1) am Kopfende der Patient*innenbetten. Die Schalldruckpegel [dB(A)] wurden in fünf-Sekunden-Intervallen erfasst und stündlich als Mittelwert, Minimum und Maximum aggregiert. Von 197 eingeschlossenen Patient*innen wurden 188 analysiert (11 Ausschlüsse wegen technischer Fehler). Eingeschlossen wurden erwachsene Patient*innen mit erwartetem Intensivaufenthalt ≥48 Stunden ohne Delir oder tiefe Sedierung. Die drei Intensivstationen verfügten über je zehn Betten in U-förmiger Anordnung mit Einzel- und Doppelzimmern.



Resultate: Der durchschnittliche Geräuschpegel über 24 Stunden betrug 51,1 ± 2,3 [dB(A)]. Tagsüber (6-22 Uhr) wurden 52,5 ± 1,2 [dB(A)], nachts (22-6 Uhr) 48,2 ± 0,9 [dB(A)] gemessen. Die WHO-Grenzwerte wurden zu keiner einzigen Stunde des Tages eingehalten.



Diskussion: Die Ergebnisse bestätigen eine erhebliche Lärmbelastung, die mit internationalen Studien vergleichbar ist. Die kontinuierliche Überschreitung der WHO-Richtwerte unterstreicht die Dringlichkeit multimodaler Lärmreduktionsstrategien. Diese sollten bauliche Anpassungen (schallabsorbierende Materialien, Lärmschutzvorhänge), technische Optimierungen (Alarmreduktion, geräuscharme Geräte) und verhaltensbasierte Interventionen (Personalschulungen, strukturierte Ruhezeiten) umfassen.



Schlussfolgerung: Die nachgewiesene Lärmbelastung erfordert differenziertere Forschung und das Umsetzen von Maßnahmen zur Reduktion des Geräuschpegels und zur Verbesserung klinischen Outcomes (Schlafqualität, Delir-Inzidenz, Verweildauer) auf Intensivstationen. Damit könnte die Schlafqualität und Genesungsrate kritisch kranker Patient*innen signifikant verbessert werden.

 
 Intensivstation; Geräuschpegel; Lärmbelastung; Schallmessung; Schlafstörung; Delirrisiko; zirkadianer Rhythmus  
 
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 Intensivmedizin
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Leitner, Verena Sabrina
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Zajic, Paul; Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med. DESA
  Bader, Mathias; Dr. Dr.med.univ.