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Medizinische Universität Graz
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Bibliografische Informationen
Titel
Antimicrobial Stewardship in der österreichischen Allgemeinmedizin
Kurzfassung
Hintergrund und Zielsetzung:
Antimikrobielle Resistenzen stellen eine zentrale Herausforderung für die moderne Medizin dar. Ein rationaler Einsatz antimikrobieller Substanzen im Sinne von Antimicrobial Stewardship (AMS) gilt als wesentlicher Ansatz zur Eindämmung von Resistenzentwicklungen. Während AMS bisher vor allem im stationären Bereich etabliert ist, kommt der Primärversorgung besondere Bedeutung zu, da ein großer Anteil der Antibiotikaverschreibungen im ambulanten Bereich erfolgt. Ziel dieser Arbeit war es, den Umgang mit Antibiotika in der österreichischen Primärversorgung aus Sicht von AllgemeinmedizinerInnen zu untersuchen. Erfasst wurden die Vertrautheit mit AMS, die Anwendung von AMS-Strategien, wahrgenommene Herausforderungen und unterstützende Ressourcen sowie diagnostische und empirisch-therapeutische Entscheidungen bei Harnwegsinfektionen.
Methoden:
Es wurde eine quantitative, fragebogenbasierte Querschnittsstudie durchgeführt. Der Online-Fragebogen wurde an niedergelassene AllgemeinmedizinerInnen in Österreich versendet. Die Datenerhebung erfolgte von November 2025 bis März 2026. Nach Ausschluss vollständig leerer Datensätze wurden 290 Fragebögen analysiert. Die Auswertung erfolgte deskriptiv sowie explorativ mittels Chi-Quadrat- und McNemar-Test. Zusätzlich wurden zwei klinische Szenarien zu Harnwegsinfektionen verglichen: eine junge Frau ohne relevante Vorerkrankungen und ein 70-jähriger Mann.
Ergebnisse:
Nur 36,3 % der TeilnehmerInnen gaben an, mit AMS eher oder sehr vertraut zu sein. Dennoch wurden AMS-Strategien häufig angewendet, insbesondere PatientInnenaufklärung zum rationalen Einsatz antiinfektiver Therapien (86,3 %) und evidenzbasierte Leitlinien (72,2 %). Eine höhere AMS-Vertrautheit war mit einer häufigeren Anwendung von Leitlinien, Fortbildungen und PatientInnenaufklärung assoziiert. Als zentrale Herausforderung wurde ein ungerechtfertigter PatientInnenwunsch nach Antibiotika genannt. Sämtliche abgefragten Ressourcen – darunter ein schnellerer Zugang zu mikrobiologischer Diagnostik, rasch verfügbare Laboruntersuchungen, interaktive Leitlinien, Fortbildungen und niederschwellige infektiologische Konsultationsmöglichkeiten – wurden jeweils von mehr als 43 % der TeilnehmerInnen als hilfreich bewertet. Bei den Harnwegsinfektionsszenarien wäre beim 70-jährigen Mann deutlich häufiger eine Urinkultur angeordnet worden als bei der jungen Frau. Auch die empirische Antibiotikawahl unterschied sich deutlich zwischen den Szenarien. Bei der jungen Frau wurden vor allem Pivmecillinam und Fosfomycin genannt, beim 70-jährigen Mann vor allem Amoxicillin/Clavulansäure und Ciprofloxacin. AMS-vertraute TeilnehmerInnen nannten bei der jungen Frau häufiger leitliniennahe Therapieoptionen und seltener Trimethoprim.
Schlussfolgerung:
Die Ergebnisse zeigen, dass AMS unter österreichischen AllgemeinmedizinerInnen noch nicht flächendeckend bekannt ist, AMS-Prinzipien jedoch bereits häufig im Praxisalltag angewendet werden. Gleichzeitig weisen die Daten auf einen Bedarf an praxisnahen Unterstützungsangeboten hin, insbesondere im Bereich mikrobiologischer Diagnostik, interaktiver Leitlinien, Fortbildungen und infektiologischer Beratung. Spezifisch auf die Primärversorgung zugeschnittene AMS-Strategien könnten einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines rationalen Antibiotikaeinsatzes in Österreich leisten.
Schlagwörter
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Hinteregger, Hagen Lukas
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Universitätsklinik für Innere Medizin
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Zollner-Schwetz, Ines; Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ.
Mitbetreuer*in (intern)
Kriegl, Lisa; Dr.med.univ.
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