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Medizinische Universität Graz    

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Diplomarbeit - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Die Auswirkungen von Prä- und Probiotika auf die Darmgesundheit bei pädiatrischen Krankheitsbildern.  
 Hintergrund: Das frühkindliche Zeitfenster der „First 1000 Days" stellt eine kritische Phase immunologischer, neurobiologischer und metabolischer Programmierung dar, in der das intestinale Mikrobiom als zentraler Mediator fungiert. Perturbationen wie Frühgeburtlichkeit, Sectio, Formulanahrung oder frühe Antibiotikaexposition können eine intestinale Dysbiose induzieren, die mit zahlreichen pädiatrischen Krankheitsbildern assoziiert ist. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Auswirkungen von Prä- und Probiotika auf die Darmgesundheit mit ihren assoziierten Erkrankungen von der Neonatalperiode bis ins Jugendalter narrativ zu synthetisieren.

Methodik: Im Rahmen eines narrativen Literaturreviews wurde eine strukturierte, zweisprachige Datenbankrecherche (u. a. PubMed) für den Publikationszeitraum 2000 bis 2026 durchgeführt. Eingeschlossen wurden klinische Studien, Meta-Analysen und systematische Übersichten zu pädiatrischen Populationen (0–19 Jahre) bezüglich sechs Indikationen: nekrotisierende Enterokolitis (NEC), atopische Dermatitis (AD), Diabetes mellitus Typ 1 (T1DM), Autismus-Spektrum-Störung (ASS) sowie pädiatrische Adipositas und Colitis ulcerosa (CU).

Ergebnisse: Die Evidenzlage zeigt eine ausgeprägte Stamm-, Indikations- und Altersgruppenspezifität. Für die NEC-Prävention bei extrem unreifen Frühgeborenen liegt eine belastbare Evidenz vor: Multi-Strain-Probiotika reduzieren Inzidenz und Gesamtmortalität signifikant, während Präbiotika als Monotherapie wirkungslos bleiben. Bei atopischer Dermatitis zeigt sich ein klarer Unterschied zwischen Therapie und Prävention: Probiotika bieten bei manifestem Ekzem keinen belegten Zusatznutzen, während kombinierte prä- und postnatale Gabe spezifischer Stämme (z. B. L. rhamnosus HN001) das Erkrankungsrisiko bei Risikokindern langfristig senkt. Bei T1DM führen Probiotika vereinzelt zu leichten, kurzfristigen Verbesserungen von Nüchternblutglukose und C-Peptid, ohne nachweisbaren Einfluss auf Autoimmunität oder HbA1c-Verlauf. Bei ASS lindern Probiotika funktionelle gastrointestinale Beschwerden effektiv, ein Einfluss auf die neuropsychiatrische Kernsymptomatik ist nicht belegt, da die beobachtete Dysbiose primär sekundäre Folge selektiven Essverhaltens ist.

Bei Adipositas führen präbiotische Ballaststoffe (z. B. oligofruktoseangereichertes Inulin) zu moderaten Reduktionen des BMI-z-Scores, während probiotische Effekte stark stammspezifisch sind. Für die pädiatrische Colitis ulcerosa weist die Multi-Strain-Formulierung VSL#3 solide Evidenz als Adjuvans zur Remissionsinduktion und -erhaltung auf.

Schlussfolgerung: Prä- und Probiotika stellen kein pauschal wirksames Therapieprinzip dar, sondern erfordern eine präzise, stamm-, indikations- und altersspezifische Anwendung. Klinisch handlungsleitende Evidenz liegt nur für zwei Konstellationen vor: die NEC-Prävention mittels Multi-Strain-Probiotika und die adjuvante CU-Therapie mit VSL#3. Bei AD und Adipositas ist ein Nutzen auf klar umrissene Kontexte – Primärprävention bei Risikokindern beziehungsweise adjuvante präbiotische Gabe – begrenzt, wohingegen bei T1DM und ASS keine Belege für eine kausale Beeinflussung der Grunderkrankung bestehen. Wiederkehrende methodische Limitationen wie Stamm- und Dosierungsheterogenität, ungeklärte Kausalitätsrichtung und fehlende Langzeitdaten stehen einer generalisierten Empfehlung entgegen. Zukünftige Forschungen müssen sich auf direkte Head-to-Head-Stammvergleiche, longitudinale Kohorten und eine konsequente Kontrolle konfundierender Faktoren fokussieren, um den Weg zu einer stammspezifischen Präzisionsmedizin in der Pädiatrie zu ebnen.  
  Schlüsselwörter: Darmmikrobiom, Probiotika, Präbiotika, Pädiatrie, First 1000 Days, Nekrotisierende Enterokolitis, Atopische Dermatitis, Colitis ulcerosa, Adipositas, Autismus, Diabetes  
 
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 Kinderheilkunde
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Bakker, Beau
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Gallistl, Siegfried; Ao.Univ.-Prof. Dr.med.univ.