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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Innovative Wege der Hautkrebsfrüherkennung: Teledermatologisches Screening als Alternative zur herkömmlichen Hautvorsorgeuntersuchung  
 Hintergrund:

Das Hautkrebsscreening stellt die wichtigste Maßnahme zur Früherkennung maligner Hauttumore, insbesondere des malignen Melanoms, dar. Dennoch werden Vorsorgeuntersuchungen aufgrund von Zeitmangel oder eingeschränkter Verfügbarkeit von Arztterminen nicht wahrgenommen. Ziel dieser monozentrischen Studie war die Evaluation eines innovativen, niedrigschwelligen teledermatologischen Screeningverfahrens basierend auf 3D-Ganzkörperaufnahmen, makro- und dermatoskopischen Bildern sowie anschließender Auswertung durch eine*n Dermatolog*in. Diese Methode wurde hinsichtlich ihrer diagnostischen Güte im Vergleich zur KI-gestützten Analyse durch die App SkinScreener (medaia GmbH, Österreich) sowie zum klinischen Goldstandard der konventionellen Face-to-Face (FTF)-Untersuchung untersucht.



Methodik:

In dieser retrospektiven Studie wurden 179 Teilnehmer*innen untersucht, bestehend aus einer Screeninggruppe (n = 170) und einer Kontrollgruppe (n = 9).Die Screeninggruppe umfasste Personen, die an betrieblich angebotenen Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen teilnahmen. Die Kontrollgruppe bestand aus Patient*innen der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Graz, bei denen im Rahmen der klinischen Abklärung zusätzlich eine histopathologische Referenzdiagnostik durchgeführt wurde. Alle Teilnehmer*innen erhielten zunächst eine konventionelle FTF-Untersuchung inklusive Dermatoskopie durch eine*n Dermatolog*in. Anschließend erfolgte die teledermatologische Bilddokumentation mittels 3D-Ganzkörperaufnahme sowie makroskopischer und dermatoskopischer Aufnahmen aller auffälligen Läsionen ≥ 5 mm. Ergänzend wurden standardisierte Risikofragebögen erhoben. Die Bild- und Fragebogendaten wurden anschließend von Dermatolog*innen teledermatologisch beurteilt. Zusätzlich erfolgte die KI-basierte Risikobewertung derselben Läsionen mittels SkinScreener. Anschließend wurden die untersuchten Personen anhand der jeweils am höchsten eingestuften Läsion einer Risikokategorie (gering, mittel oder hoch) zugeordnet. Primäre Endpunkte waren Sensitivität, Spezifität, Gesamtgenauigkeit und Interrater-Reliabilität (Cohen’s κ).



Ergebnisse:

Die teledermatologische Beurteilung zeigte in der Gesamtpopulation eine Sensitivität von 71,2 % (95 %-KI: 58,7% – 81,3 %) und eine Spezifität von 95,8 % (95 %-KI: 90,2 %–98,6 %) bei einer Gesamtgenauigkeit von 84,9 % im Vergleich zur konventionellen FTF-Untersuchung. Insgesamt war die Übereinstimmung mit der FTF-Untersuchung substanziell (κ = 0,664; p < 0,001). In der Screening-Gruppe war die Übereinstimmung leicht reduziert, aber ebenfalls substanziell (κ = 0,629; p < 0,001). In der Kontrollgruppe zeigte sich eine fast perfekte Übereinstimmung mit der histopathologischen Referenz (κ = 0,813; p < 0,001). Alle Personen mit histopathologisch bestätigten malignen Läsionen, einschließlich vier Melanomen und eines Basalzellkarzinoms, wurden korrekt als Hochrisiko eingestuft. Der SkinScreener erreichte in der Gesamtpopulation eine Sensitivität von 55,9 % (95 %-KI: 43,1 %–68,4 %) und eine Spezifität von 93,3 % (95 %-KI: 87,2 %–97,0 %) bei einer Gesamtgenauigkeit von 74,3 % im Vergleich zur konventionellen FTF-Untersuchung. Die Übereinstimmung mit der FTF-Untersuchung war moderat (κ = 0,417; p < 0,001), in der Screening-Gruppe fair (κ = 0,332; p < 0,001). In der Kontrollgruppe zeigte sich eine moderate, nicht signifikante Übereinstimmung mit der Histopathologie (κ = 0,438; p = 0,072). Von fünf histopathologisch bestätigten malignen Läsionen wurden vier korrekt erkannt, während ein Melanom als mittleres Risiko eingestuft wurde.



Diskussion:

Das teledermatologische Verfahren zeigte eine hohe diagnostische Genauigkeit mit sehr hoher Spezifität, moderater Sensitivität und substanzieller Übereinstimmung mit der klinischen FTF-Untersuchung. Die nahezu perfekte Übereinstimmung mit der histopathologischen Referenzdiagnose sowie die korrekte Identifikation aller malignen Läsionen unterstreichen das Potenzial für die Hautkrebsvorsorge. Der SkinScreener erreichte ebenfalls eine hohe Spezifität, zeigte jedoch eine geringere Sensitivität, Gesamtgenauigkeit und Übereinstimmung mit den Referenzmethoden. Die Fehleinstufung eines Melanoms verdeutlicht die derzeitigen Limitationen KI- basierter Smartphone-Anwendungen im eigenständigen Hautkrebsscreening. Insgesamt erwies sich die Teledermatologie gegenüber dem SkinScreener hinsichtlich der diagnostischen Leistungsfähigkeit als überlegen, was insbesondere auf die Kombination unterschiedlicher Bildmodalitäten und die Einbindung fachärztlicher Expertise zurückzuführen sein dürfte. Beide Verfahren erscheinen derzeit eher als ergänzende Triage- beziehungsweise Screeninginstrumente und nicht als Ersatz der konventionellen FTF-Untersuchung. Zur weiteren Validierung sind prospektive Studien mit größeren und diverseren Kollektiven erforderlich.  
 Teledermatologie ,Hautkrebsscreening, Künstliche Intelligenz (KI), Dermatoskopie, 3D-Ganzkörperbildgebung, Melanomfrüherkennung, Hautkrebsfrüherkennung, Diagnostische Genauigkeit, SkinScreener  
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Zimmermann, Nikolas
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Hofmann-Wellenhof, Rainer; Ao.Univ.-Prof. Dr.med.univ.
  Arzberger, Edith Johanna; Univ. FÄ Priv.-Doz. Dr.med.univ.