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Medizinische Universität Graz
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Bibliografische Informationen
Titel
Räumliche und quantitative Charakteristika tumorinfiltrierender Lymphozyten in Bezug auf die Invasivität des Melanoms: Eine retrospektive Kohortenstudie über einen Zeitraum von 10 Jahren
Kurzfassung
Hintergrund und Zielsetzung: Tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL) gelten als das zentrale histologische Korrelat der antitumoralen Immunantwort bei dem primären kutanen Melanom dar und weisen eine etablierte prognostische Relevanz auf. Die klinische Anwendbarkeit der TIL-Beurteilung wird jedoch bislang durch das Fehlen standardisierter Klassifikationsshemata sowie durch unzureichende Daten zum prognostischen Stellenwert unterschiedlicher räumlicher Verteilungsmuster und qualitativer Infiltrationscharakteristika limitiert. Vor diesem Hintergrund zielte die vorliegende monozentrische Studie darauf ab, die Zusammenhänge zwischen mehreren parallel angewandten TIL-Klassifikationsschemata und wesentlichen klinisch-pathologischen Parametern des primären kutanen Melanoms zu analysieren. Untersucht wurden insbesondere Assoziationen mit dem Clark-Invasionslevel, dem AJCC-Tumorstadium, der Breslow-Dicke sowie dem histologischen Subtyp des Melanoms.
Patienten und Methoden: In diese retrospektive Studie wurden 356 Patientinnen und Patienten mit primärem kutanem Melanom eingeschlossen, die zwischen Mai 2016 und Mai 2026 am Universitätsklinikum Osijek behandelt wurden. Die Beurteilung der TIL erfolgte an Hämatoxylin-Eosin-gefärbten histologischen Schnitten anhand von vier parallel angewendeten Klassifikationsschemata : (1) der Clark-Klassifikation (fehlend, non-brisk, brisk), wobei die Kategorie „brisk" zusätzlich in lineare und diffuse Infiltrationsmuster unterteilt wurde; (2) der Gesamt-TIL-Dichte (fehlend, spärlich, mäßig, reichlich); (3) der intratumoralen TIL-Dichte sowie (4) der peritumoralen TIL-Dichte, wobei die beiden letztgenannten dieselbe vierstufige Skala verwendeten. Die Assoziationen zwischen den TIL-Kategorien und den klinisch-pathologischen Variablen wurden mittels Chi-Quadrat-Test oder exaktem Test nach Fisher untersucht; Unterschiede in der Breslow-Dicke zwischen den TIL-Gruppen wurden mithilfe des Kruskal-Wallis-Test analysiert, gefolgt von paarweisen Post-hoc-Vergleichen nach Conover. Das Signifikanzniveau wurde auf P < 0,05 festgelegt.
Ergebnisse: Die Studienkohorte umfasste 356 Patientinnen und Patienten mit einem mittleren Alter von 64,1 Jahren (SD = 14,0) auf, mit einem signifikanten Überwiegen des männlichen Geschlechts (59,3 %; P < 0,001). Das superfiziell spreitende Melanom war der häufigste histologische Subtyp (42,2 %), gefolgt vom nodulären Melanom und vom akral-lentiginösen Melanom (kombiniert 31,0 %). Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten wies auf Grundlage des initialen Stagings vor der Sentinel-Lymphknoten- Biopsie ein Frühstadium auf (Stadium IA: 38,4 %; pT1a: 31,1 %). Die Clark-TIL-Klassifikation zeigte die schärfsten Assoziationen: brisk-lineare Infiltrate waren überwiegend mit oberflächlichen Tumoren (Clark-Level II–III) und einem frühen AJCC-Stadium IA (56,6 %) assoziiert. Demgegenüber traten brisk-diffuse Infiltrate überproportional häufig bei Clark-Level IV (62,8 %) und den Stadien IIB–IIC (53,5 %) auf. Darüber hinaus bestand ein signifikanter Zusammenhang wurde zwischen der Clark-TIL-Klassifikation und dem histologischen Subtyp (P = 0,02). Brisk-diffuse Infiltrate wiesen den höchsten Anteil an nodulärem Melanom und ALM auf (46,2 %), während brisk-lineare Infiltrate überwiegend mit dem superfiziell spreitenden Melanom assoziiert waren (57,1 %). Die intratumorale TIL-Dichte war signifikant mit dem Clark-Invasionslevel (P < 0,001), dem AJCC-Stadium (P < 0,001) und dem histologischen Subtyp (P = 0,001) assoziiert. Mit zunehmender intratumoraler TIL-Dichte nahm der Anteil nodulärer Melanome und akral-lentiginöser Melanome kontinuierlich zu. Mäßig bis reichlich vorhandene intratumorale TIL fanden sich überwiegend bei Tumoren mit Clark-Level IV (72,2 %) sowie in den Stadien IIB–IIC. Im Gegensatz dazu zeigte die peritumorale TIL-Dichte lediglich einen einzigen signifikanten Zusammenhang mit Clark-Level I (P = 0,01), ohne signifikante Assoziationen mit dem AJCC-Stadium oder dem histologischen Subtyp (P = 0,17).
Schlussfolgerung: Die TIL-Beurteilung beim primären kutanen Melanom liefert klinisch bedeutsame prognostische Informationen, deren Aussagekraft entscheidend vom angewandten Klassifikationsschema und vom untersuchten räumlichen Kompartiment abhängt. Die Differenzierung der brisk-TIL in lineare und diffuse Muster ermöglicht dieUnterscheidung von biologisch distinkten Untergruppen mit gegensätzlichen klinisch-pathologischen Profilen. Die intratumorale, nicht jedoch die peritumorale, TIL-Dichte erwies sich als robustes Korrelat der Tumordicke, des Stadiums und des histologischen Subtyps. Die vorliegenden Ergebnisse sprechen für die Integration einer differenzierteren TIL-Beurteilung in die routinemäßige histologische Diagnostik des Melanoms und unterstreichen deren potenziellen Nutzen für eine präzisere Risikostratifizierung, insbesondere in frühen Tumorstadien.
Schlagwörter
kutanes Melanom; tumorinfiltrierende Lymphozyten; Clark-Klassifikation; intratumorale Lymphozyten; peritumorale Lymphozyten; Tumorstaging; histologischer Subtyp; Prognose; Tumormikroumgebung
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Sachgebiete
Dermatologie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Mihalj, Martina; Dr.
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie
Studium
UO 992 272 Universitätslehrgang; MA Dermoscopy and Prev. Dermatooncology  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Hofmann-Wellenhof, Rainer; Ao.Univ.-Prof. Dr.med.univ.
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