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Medizinische Universität Graz
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Bibliografische Informationen
Titel
„Neonataler erniedrigter arterieller Blutdruck – retrospektive gematchte Fall-Kontroll-Studie zur Erfassung der Assoziation von erniedrigtem arteriellen Blutdruck in den ersten 15 Lebensminuten und der kognitiven Entwicklung“
Kurzfassung
Hintergrund
Die frühe postnatale Adaptationsphase stellt eine kritische Phase der kardiovaskulären Umstellung bei Frühgeborenen dar. Während dieser Zeit kann ein unzureichender systemischer Blutdruck (insbesondere bei unreifen Frühgeborenen mit eingeschränkter zerebraler Autoregulation) zu einer verminderten Hirnperfusion führen und dadurch das langfristige entwicklungsneurologische Outcome negativ beeinflussen. Während Hypotonie in den ersten Lebenstagen bereits mit neurologischen Komplikationen in Verbindung gebracht wurde, ist die prognostische Bedeutung des arteriellen Blutdrucks während der unmittelbaren postnatalen Adaptation bislang nur unzureichend untersucht. Ziel dieser Studie war es daher, zu untersuchen, ob der arterielle Blutdruck 15 Minuten nach der Geburt mit dem entwicklungsneurologischen Outcome im Alter von zwei Jahren bei sehr frühgeborenen Kindern assoziiert ist.
Methoden
Es wurde eine retrospektive gepaarte Fall-Kontroll-Studie an der Medizinischen Universität Graz durchgeführt. Eingeschlossen wurden Frühgeborene mit einem Gestationsalter von unter 32 Schwangerschaftswochen, die zwischen 2010 und 2025 geboren wurden, bei denen 15 Minuten nach der Geburt eine oszillometrische Blutdruckmessung durchgeführt wurde und für die eine entwicklungsneurologische Nachuntersuchung im korrigierten Alter von zwei Jahren mittels der Bayley Scales of Infant and Toddler Development, Third Edition (Bayley-III) vorlag.
Ausschlusskriterien waren eine intraventrikuläre Hämorrhagie, schwere angeborene Fehlbildungen, genetische Syndrome sowie ein arterieller Nabelschnur-pH-Wert <7,00. Frühgeborene mit einem ungünstigen entwicklungsneurologischen Outcome (definiert als mindestens ein Bayley-III-Kompositwert <85) wurden im Verhältnis 1:1 mit Frühgeborenen mit günstigem Outcome (alle Bayley-III-Kompositwerte ≥85) anhand des Gestationsalters, des Geburtsgewichts, des Geburtsmodus sowie des Vorliegens einer Infektion gematcht. Der mittlere (MABP), systolische (SABP) und diastolische arterielle Blutdruck (DABP) 15 Minuten nach der Geburt wurden mittels gepaarter statistischer Verfahren verglichen. Zur Überprüfung der Robustheit der Ergebnisse wurden zusätzlich Sign-Flip-Permutationstests sowie ein multivariater Hotelling-T²-Test durchgeführt.
Ergebnisse
Insgesamt wurden 60 Frühgeborene (30 gematchte Paare) in die Analyse eingeschlossen. Die Ausgangscharakteristika waren zwischen beiden Gruppen vergleichbar, einschließlich Gestationsalter (28,8 vs. 28,8 Schwangerschaftswochen; p=0,928), Geburtsgewicht (1165g vs. 1130g; p=0,954), APGAR-Werten, Nabelarterien-pH, Infektionsstatus, Katecholamintherapie sowie respiratorischer Unterstützung.
Erwartungsgemäß zeigten Frühgeborene mit ungünstigem entwicklungs-neurologischem Outcome signifikant niedrigere Bayley-III-Kompositwerte in den Bereichen Kognition, Sprache und Motorik.
Bereits 15 Minuten nach der Geburt wiesen Frühgeborene mit ungünstigem entwicklungsneurologischem Outcome signifikant niedrigere arterielle Blutdruckwerte auf als die gematchte Kontrollgruppe. Der mittlere arterielle Blutdruck betrug 34 (30–38) gegenüber 41 (37–45) mmHg (p<0,001), der systolische Blutdruck 52 (47–56) gegenüber 60 (52–64) mmHg (p=0,007) und der diastolische Blutdruck 24 (20–29) gegenüber 33 (27–38) mmHg (p=0,001). Darüber hinaus wiesen Frühgeborene mit ungünstigem Outcome signifikant häufiger mindestens einen Blutdruckwert unterhalb der 10. Perzentile während der unmittelbaren postnatalen Adaptationsphase auf (80% vs. 17%; p<0,001). Die durchgeführten Sensitivitätsanalysen bestätigten die Robustheit dieser Ergebnisse.
Schlussfolgerung
Niedrige arterielle Blutdruckwerte während der ersten 15 Lebensminuten waren bei sehr frühgeborenen Kindern signifikant mit einem ungünstigen entwicklungsneurologischen Outcome im Alter von zwei Jahren assoziiert. Insbesondere Blutdruckwerte unterhalb der 10. Perzentile während der unmittelbaren postnatalen Adaptationsphase zeigten einen deutlichen Zusammenhang mit einer späteren neurologischen Entwicklungsbeeinträchtigung. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die frühe oszillometrische Blutdruckmessung ein einfaches und klinisch relevantes Instrument zur Identifikation von Frühgeborenen mit erhöhtem Risiko für ein ungünstiges entwicklungsneurologisches Outcome darstellen könnte. Prospektive interventionelle Studien sind erforderlich, um zu untersuchen, ob eine frühzeitige blutdruckgesteuerte hämodynamische Therapie das langfristige neurologische Outcome verbessern kann.
Schlagwörter
Blutdruck; Frühgeborene; postnatale Adaptation; entwicklungsneurologisches Outcome;
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Sachgebiete
Neonatologie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Meitz, Rebekka Teresa
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Pfurtscheller, Daniel; Univ. FA Dr.med.univ. Dr.scient.med. BA
Mitbetreuer*in (intern)
Pichler, Gerhard; Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ.
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