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Medizinische Universität Graz    

Meine Abschlussarbeiten - Publikationen

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Bibliografische Informationen
 Kardiovaskuläre Komorbidität beim essenziellen Tremor  
 Zusammenfassung

Einleitung

Der essenzielle Tremor (ET) zählt zu den häufigsten Bewegungsstörungen

weltweit, seine Pathophysiologie ist jedoch bis heute nicht vollständig geklärt.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren und Marklagerläsionen (White Matter

Hyperintensities, WMH) werden als mögliche Einflussfaktoren auf die

Krankheitslast des ET diskutiert. Ziel dieser Studie war es, die Prävalenz

kardiovaskulärer Risikofaktoren bei ET-Patient*innen im Vergleich zu nach Alter

und Geschlecht gematchten gesunden Kontrollen (HC) zu untersuchen sowie

Zusammenhänge zwischen WMH-Volumina, Serummarkern der astroglialen

Aktivierung (serum glial fibrillary acidic protein, sGFAP) und der axonalen

Schädigung (serum neurofilament light chain, sNfL) und klinischen Parametern

innerhalb der ET-Kohorte und ihrer Subgruppen zu analysieren.

Methoden

In dieser Querschnittsstudie wurden 36 ET-Patient*innen aus dem Prospective

Movement Disorders Registry Graz (PROMOVE, 2010–2021) mit 36 gematchten

HC verglichen (Gesamt-N = 72; Medianalter 66,0 Jahre). Die ET-Patient*innen

wurden einerseits anhand eines Median-Splits nach Alter bei Krankheitsbeginn

(53,4 Jahre) und Krankheitsdauer (10,7 Jahre) in in Early-Stage Late-Onset ET

(ESLO, n = 15) versus Late-Stage/Early-Onset ET (LSEO, n = 21) unterteilt,

andererseits basierend auf dem Vorhandensein zusätzlicher neurologischer

Zeichen unklarer Signifikanz in reinen ET (n = 20) versus ET-plus (n = 16).

Kardiovaskuläre Risikofaktoren (arterielle Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes

mellitus, Raucherstatus) wurden dichotom erfasst. Die totalen, periventrikulären

(PVH) und tiefen (DWMH) WMH-Volumina wurden auf 3-Tesla-FLAIR-MRT

Aufnahmen mittels semi-automatischer Segmentierung quantifiziert. sGFAP und

sNfL wurden auf der Simoa-HD-X-Plattform bestimmt. Der Tremorschweregrad

wurde mit der Fahn-Tolosa-Marin-Skala (FTM), die kognitive Funktion mit dem

MMSE z-score erfasst. Gruppenvergleiche erfolgten mittels Mann-Whitney-U-Test

und Pearson-Chi-Quadrat-Test, bivariate Assoziationen mittels Spearman

IV

Rangkorrelationen. Alle Analysen wurden mit IBM SPSS Statistics 30

durchgeführt.

Ergebnisse

Keiner der vier kardiovaskulären Risikofaktoren unterschied sich signifikant

zwischen ET-Patient*innen und HC. Die arterielle Hypertonie war in der ET

Gruppe numerisch häufiger (75,0 % vs. 55,6 %), erreichte jedoch keine Signifikanz

(p = 0,083). Das PVH-Volumen war bei ET-Patient*innen signifikant höher als bei

HC (Median 4061,0 vs. 2066,0 mm³, p = 0,026), während sich totales WMH- und

DWMH-Volumen nicht unterschieden. Zwischen den ET-Subgruppen (ESLO vs.

LSEO, pure ET vs. ET-plus) ergaben sich keine signifikanten WMH-Unterschiede.

Innerhalb der ET-Kohorte korrelierte sGFAP positiv mit dem DWMH-Volumen (ρ =

0,415, p = 0,018) sowie mit sNfL (ρ = 0,608, p < 0,001), der FTM-Gesamtscore

korrelierte sowohl mit dem totalen WMH-Volumen (ρ = 0,400, p = 0,023) als auch

mit dem DWMH-Volumen (ρ = 0,436, p = 0,013). In der ET-plus-Subgruppe

korrelierte der FTM-Score signifikant mit dem totalen WMH-Volumen (ρ = 0,591, p

= 0,026) und dem PVH-Volumen (ρ = 0,571, p = 0,033) – Assoziationen, die im

reinen ET fehlten. Die sGFAP–DWMH-Korrelation war in der ESLO-Subgruppe

besonders ausgeprägt (ρ = 0,675, p = 0,008). In der LSEO-Gruppe korrelierte das

DWMH-Volumen mit sNfL (ρ = 0,495, p = 0,037) und sGFAP positiv mit dem

MMSE (ρ = 0,554, p = 0,014). Patient*innen mit Hyperlipidämie wiesen höhere

sGFAP-Spiegel auf als Patient*innen ohne (Median 152,9 vs. 111,3 pg/mL, p =

0,046), Patient*innen mit Raucheranamnese niedrigere sGFAP-Konzentrationen

(Median 110,4 vs. 138,3 pg/mL, p = 0,046).

Schlussfolgerungen

Die vorliegenden Daten sind vereinbar mit der primären Nullhypothese, dass sich

die Prävalenz kardiovaskulärer Risikofaktoren zwischen ET-Patient*innen und

gematchten HC nicht signifikant unterscheidet, angesichts der begrenzten

Stichprobengröße lässt sich ein tatsächlich fehlender Unterschied jedoch nicht von

einer unzureichenden statistischen Power abgrenzen. Die hohe absolute

Prävalenz der arteriellen Hypertonie in der ET-Kohorte (75,0 %) unterstreicht

V

dennoch die Bedeutung eines konsequenten kardiovaskulären

Risikomanagements in dieser Patientengruppe. Das signifikant erhöhte PVH

Volumen bei ET sowie die phänotypspezifische Assoziation zwischen

Tremorschwere und WMH-Last im ET-plus legen nahe, dass

Marklagerveränderungen vorwiegend bei klinisch komplexeren ET-Formen

relevant sind. Die parallele Kovariation von sGFAP mit DWMH und sNfL ist mit

einer gemeinsam auftretenden astroglialen Aktivierung und axonalen Schädigung

im Kontext von Marklagerläsionen in spezifischen ET-Subgruppen vereinbar.

Diese Befunde sind hypothesengenerierend und bedürfen der Replikation in

adäquat gepowerten Längsschnittstudien.  
   
 
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 Diagnostik in der Medizin
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Sommerfeld, Raphael
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Neurologie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Schwingenschuh, Petra; Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ.
  Gattermeyer-Kell, Lukas; Dr.med.univ.