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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Postinterventionelle Lebensqualität nach radikaler Zystektomie beim muskelinvasiven Urothelkarzinom der Harnblase  
 Hintergrund

Im Jahre 2022 galt das Harnblasenkarzinom als das neunthäufigste Karzinom weltweit und lag hinsichtlich der Mortalität auf Platz 13. Männer sind dabei fast viermal so häufig betroffen wie Frauen. Die Radikale Zystektomie (RC) stellt den Goldstandard der Therapie des muskel-invasiven Karzinoms dar. Die Lebensqualität der Patient*innen nach RC ist von mehreren Faktoren abhängig und lässt sich nur schwer voraussagen. Ziel dieser Arbeit ist,

anhand von standardisierten Fragebögen zu untersuchen, ob die verschiedenen Arten der Harnableitung einen Einfluss auf die postoperative Lebensqualität von Patient*innen haben und falls ja, worin sie sich unterscheiden.



Material und Methoden

Für diese monozentrische retrospektive Studie wurden alle erwachsenen Patient*innen herangezogen, die sich im Zeitraum zwischen 2012 und 2022 an der Universitätsklinik für Urologie in Graz aufgrund eines Urothelkarzinoms – primär muskelinvasive Tumore oder High-Risk-Karzinome (Grading ≥ G2) – einer RC unterzogen hatten, der Teilnahme an der Studie zugestimmt haben und denen es möglich war, an der Befragung teilzunehmen. Nach Anwendung der Einschluss- und Ausschlusskriterien blieben 82 Patient*innen als Gesamtkohorte übrig. Die Lebensqualität wurde anhand standardisierter Fragebögen (EORTC QLQ C30, EORTC QLQ BLM30, FACT-VCI, GIQLI, Tübinger-Neoblasen-Fragebogen, IONB-Pro) erhoben, die Patient*innendaten wurden aus dem Krankenhausinformationssystem „openMedocs“ entnommen und mit unterschiedlichen Programmen (Excel, SPSS) statistisch ausgewertet.

Ergebnisse 29 Patient*innen erhielten im Rahmen der RC eine Neoblase (NB), 51 Patient*innen ein Ileumconduit (IC) und zwei Patient*innen eine Ureterokutaneostomie (UCN). Da die Fallzahl der UCN zu gering war für eine statistische Auswertung, wurden nur IC und NB verglichen. Patient*innen mit IC waren im Median 10 Jahre älter (p<0,001), hatten einen höheren Charlson-Comorbiditäts-Index (CCI) (p=0,005), eine kürzere Operationsdauer

(p=0,004) und deutlich seltener eine sexualitätserhaltende Operation (p<0,001) als Patient*innen mit NB.

Bei der Auswertung der Fragebögen fanden sich abhängig vom Fragebogen unterschiedliche Ergebnisse. Im geschlechtsunabhängigen Vergleich der Antworten des EORTC-QLQ-C30 gaben Patient*innen mit NB bessere Scores für die körperliche Funktionsfähigkeit (PF2) (p=0,013) und Rollenfunktion (RF2) an (p=0,014). Allerdings litten sie häufiger an Diarrhoe (p=0,024) als Patient*innen mit IC. Der für das Harnblasenkarzinom spezifische EORTC-

QLQ-BLM30 ergab sowohl im geschlechtsunabhängigen als auch im

geschlechtsabhängigen Vergleich eine bessere sexuelle Funktion für Patient*innen mit NB (p=0,006 (geschlechtsunabhängig)). Im Vergleich des für die Studie adaptierten GIQLI-Fragebogens konnten keine Unterschiede zwischen IC und NB gefunden werden. Bei der Auswertung des TNQ gaben alle Patientinnen mit NB an, täglich mehr als eine Vorlage zu verwenden, während die Antwort der Patienten zwischen keiner und mehreren Vorlagen

variierte (p=0,024). Im IONB-Pro-Fragebogen gaben alle Patientinnen an, tagsüber (p=0,001) und auch nachts nie inkontinent zu sein (p=0,024), während die Antworten der männlichen Patienten unterschiedlich ausfielen. Allerdings gaben die Patientinnen an, unterwegs manchmal oder immer Angst zu haben, keine Toilette in Reichweite zu haben, während mehr als die Hälfte der Patienten angab, diesbezüglich nie Angst zu haben (p=0,036). Bei der Auswertung des FACT-VCI im geschlechtsabhängigen Vergleich zeigte sich ein signifikanter Unterschied in der Subgruppe der Frauen in ihrem emotionalen

Wohlbefinden (EWB-Score), wobei Frauen mit IC einen höheren Score hatten als Frauen mit NB (p=0,027). Ein höherer Score entspricht einem besseren emotionalen Befinden. Beim Vergleich des Gesamtüberlebens bei den beiden Harnableitungsarten ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen Patient*innen mit NB und IC (p=0,43).



Schlussfolgerung

Im Rahmen dieser Studie konnten einzelne statistisch signifikante Ergebnisse zur postoperativen Lebensqualität der unterschiedlichen Harnableitungsarten gefunden werden, abhängig von den verwendeten Fragebögen. Insgesamt ist die Lebensqualität der Patient*innen mit unterschiedlichen Harnableitungen nach sorgfältiger präoperativer Selektion und Aufklärung mit bereits vorhandenen Veröffentlichungen vergleichbar.

Limitationen dieser Arbeit bestehen unter anderem im retrospektiven Design und den geringen Fallzahlen in den unterschiedlichen Subgruppen.

Es wäre sinnvoll, weitere prospektive randomisierte Studien mit größeren Kollektiven durchzuführen, um die Auswirkung verschiedener Einflussfaktoren auf die postoperative Health-Related-Quality-of-Life (HRQOL) weiter erforschen zu können.  
   
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Schuhmann, Liv Viola
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Urologie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Mischinger, Johannes; Univ. FA Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med.
  Leitsmann, Marianne; Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ. MHBA