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Medizinische Universität Graz    

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Diplomarbeit - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Bewertung der Behandlung von perianalen Abszessen bei Säuglingen  
 Hintergrund

Perianale Abszesse stellen die häufigste erworbene anorektale Erkrankung im Säuglingsalter dar und treten überwiegend in den ersten Lebensmonaten auf. Sie gehen mit lokalen Entzündungszeichen, Schmerzen und in seltenen Fällen mit systemischen Symptomen einher. Ziel dieser Diplomarbeit war es, konservative und chirurgische Therapieansätze bei perianalen Abszessen im Säuglingsalter zu vergleichen und deren Einfluss auf Behandlungsdauer, Rezidivrate und

Komplikationen zu evaluieren.



Methodik

Im Rahmen einer retrospektiven Single-Center-Studie wurden alle Säuglinge unter 12 Monaten analysiert, die zwischen 2005 und 2022 an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz wegen eines perianalen Abszesses behandelt wurden (n=145). Die Patient:innen wurden anhand der primären Therapieform in eine erfolgreich konservativ behandelte Gruppe, eine primär chirurgisch behandelte

Gruppe und eine Gruppe mit konservativem Therapieversagen (sekundäre Operation) eingeteilt. Zusätzlich wurden Rezidive, Lokalisationen sowie der Einfluss lokaler und systemischer Antibiotikatherapien statistisch ausgewertet.



Ergebnisse

Das Studienkollektiv zeigte eine deutliche männliche Dominanz (n=139; 95,9%) bei einem mittleren Alter bei Erstvorstellung von 4,1 ± 2,8 Monaten. Die Ergebnisse

belegen eine signifikant kürzere mediane Behandlungsdauer bei erfolgreicher konservativer Therapie (3 Tage) im Vergleich zur primär chirurgischen Gruppe (8 Tage; p=0,007). Ein Therapiewechsel von primär konservativ auf operativ

(konservatives Therapieversagen) trat bei 29 Patient:innen (20%) auf, was mit einer deutlich verlängerten mittleren Behandlungsdauer von 97,1 ± 209,9 Tagen einherging.

Die Rezidivrate war in der Gruppe des konservativen Therapieversagens signifikant höher (31%) als im restlichen Kollektiv (9,5%, p=0,029). Innerhalb der operierten Patient:innen erwies sich die Fistulotomie als überlegen: Eine frühzeitige Fistelsanierung (≤ 14 Tage nach Erstvorstellung) verhinderte Rezidive vollständig

IV (0%), während einfache Inzisionen in diesem Zeitraum eine Rezidivrate von 27,3% aufwiesen (p=0,042). Weder die Art der Antibiotikagabe (lokal vs. systemisch; p=0,225) noch die Dauer der Antibiose (p=0,083) hatten einen signifikanten Einfluss auf die Rezidivrate oder die Heilungsdauer.



Schlussfolgerung

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass eine primär konservative Therapie eine effektive und sichere Option darstellt, sofern ein rasches Ansprechen erfolgt. Bei

ausbleibender Besserung innerhalb von 7–10 Tagen sollte jedoch die frühzeitige Eskalation zur chirurgischen Fistelsanierung innerhalb eines „Window of Opportunity“ von 14 Tagen angestrebt werden, um Rezidive und Chronifizierungen zu vermeiden. Die routinemäßige Antibiotikagabe bietet keinen messbaren Vorteil

gegenüber der gezielten chirurgischen Sanierung.  
 Perianal; Abzesse; Säugling; Therapie; Behandlung; Bewertung  
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Schifferl, Sandro
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Singer, Georg; Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr.med.univ.
  Elsayed, Hesham; Univ. FA Dr.med.univ.