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Medizinische Universität Graz
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Bibliografische Informationen
Titel
Handverbrennungen - Einflüsse auf Psyche und Lebensqualität
Kurzfassung
Hintergrund: Hände machen nur einen kleinen Teil der gesamten Körperoberfläche eines Menschen aus, sind aber in 80% aller Verbrennungen mitbetroffen. Sie sind durch ihre hohe funktionelle Bedeutung für das alltägliche Leben unverzichtbar, weshalb Handverbrennungen weitreichende funktionelle und psychosoziale Auswirkungen haben können. Das Ziel dieser Diplomarbeit ist, Langzeitergebnisse zu den psychosozialen Folgen von Patient*innen mit Handverbrennungen zu analysieren. Dabei sollen Einflussfaktoren wie Verbrennungstiefe, uni- bzw. bilaterale Handbeteiligung sowie isolierte und nicht- isolierte Handverbrennungen miteinbezogen werden.
Methodik: Es handelt sich um eine monozentrisch kontrollierte Querschnittstudie in der Patient*innen eingeschlossen wurden, die zwischen 2005 bis 2022 aufgrund von einer Handverbrennung (1°-3°) an der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie des Universitätsklinikums Graz behandelt wurden. Diese Gruppe wurde mit einer Kontrollgruppe ohne Handverbrennungen verglichen. Neben demographischen und klinischen Daten kamen folgende Fragebögen zum Einsatz: 36-Item Short Form Health Survey (SF-36), Dermatology Life Quality Index (DLQI), Social Appearance Anxiety Scale (SAAS), Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS), Impact of Event Scale-Revised (IES-R).
Ergebnisse: Insgesamt wurden 61 Personen (77,1% männlich) mit einem durchschnittlichen Follow-Up von 8,1 Jahren miteinbezogen, sowie 63 Personen ohne Handverbrennungen in die Kontrollgruppe. Die durchschnittlich verbrannte Körperoberfläche betrug 13,9% (±15,9%). 55,7% waren unilaterale, 72,4% tiefe (2b° und 3°) und 16,4% isolierte Handverbrennungen. Handverbrannte zeigten eine verminderte dermatologische Lebensqualität (p = 0,001), insbesondere bei nicht- isolierten, bilateralen oder tiefen Verbrennungen. Handverbrennungen schränkten die körperliche Gesundheit langfristig ein, so war die körperliche Rollenfunktion (p = 0,006) reduziert, insbesondere bei isolierter, tiefer und bilateraler Ausprägung, sowie die körperliche Funktionsfähigkeit bei isoliertem Verletzungsmuster (p = 0,013). Außerdem wiesen Handverbrannte ein geringeres psychisches Wohlbefinden (p = 0,014) auf, besonders bei nicht-isolierten und bilateralen Verbrennungen, wohingegen oberflächliche Handverbrennungen eine geringere Vitalität (p = 0,025) bedingten. Auch soziale Ängste gingen mit Handverbrennungen einher (p = 0,029), vor allem bei tiefen und nicht-isolierten Handverbrennungen. Personen mit bilateralen Handverbrennungen wiesen signifikant mehr posttraumatische Belastungen auf, jedoch unter dem Schwellenwert zur Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung. Keine signifikanten Ergebnisse zeigten sich für Depressionen oder Angststörungen.
Zusammenfassung: Unsere Studie zeigt, dass Personen mit Handverbrennungen langfristige Einschränkungen der gesundheitsbezogenen sowie der dermatologischen Lebensqualität aufweisen. Insbesondere tiefe, bilaterale sowie nicht isolierte Handverbrennungen waren mit ausgeprägten Einbußen assoziiert. Betroffene berichteten über Schwierigkeiten bei der Bewältigung alltäglicher Aktivitäten, bei der Erfüllung persönlicher Rollenanforderungen sowie über eine eingeschränkte körperliche Funktionsfähigkeit. Zudem zeigten Personen mit Handverbrennungen ein vermindertes psychisches Wohlbefinden und häufiger soziale Ängste. Ein langfristiger Zusammenhang zwischen Handverbrennungen und dem Auftreten von Depressionen, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen konnte hingegen nicht festgestellt werden. Bilaterale Handverbrennungen waren jedoch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung assoziiert. Insgesamt verdeutlichen unsere Ergebnisse die weitreichenden physischen, psychischen und sozialen Folgen von Handverbrennungen und unterstreichen die Notwendigkeit einer langfristigen, ganzheitlichen Versorgung. Körperliche, psychische und soziale Aspekte sollten integraler Bestandteil langfristiger Therapiekonzepte für Patient*innen mit Handverbrennungen sein.
Schlagwörter
Handverbrennungen; Verbrennungen; Psyche; Lebensqualität
Anzahl Seiten
Publikationsjahr
–
Sachgebiete
Plastische und Wiederherstellungschirurgie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
Autor*in
Autor*in
Ellersdorfer, Anna-Maria
Betreuende Einrichtung / Studium
Betreuende Organisation
Universitätsklinik für Chirurgie
Studium
UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
Betreuer*in (intern)
Hecker, Andrzej Stanislaw; Dr.med.univ. MSc
Mitbetreuer*in (intern)
Kamolz, Lars-Peter; Univ.-Prof. Dr.med. MSc
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