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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Langzeit-Überleben nach Amputationen der unteren Extremität  
 Zusammenfassung



Hintergrund

Amputationen der unteren Extremität stellen einen tiefgreifenden chirurgischen Eingriff in die körperliche Integrität dar und sind mit einer erheblichen langfristigen Morbidität und Mortalität assoziiert. Das Überleben nach Amputationen wird durch ein komplexes Zusammenspiel patient*innenbezogener Faktoren wie Alter, Geschlecht, Komorbiditäten und funktioneller Reserve sowie prozedurbezogener Faktoren, insbesondere der Amputationshöhe, beeinflusst. Darüber hinaus kann auch die zugrunde liegende Indikation zur Amputation – vaskuläre Komplikationen, schwere Infektionen, Traumata oder maligne Tumore – Einfluss auf das Langzeitüberleben haben.

Während frühere Studien insbesondere nach Major-Amputationen eine reduzierte Überlebenswahrscheinlichkeit gezeigt haben, sind direkte Vergleiche zwischen Minor- und Major-Amputationen über lange Nachbeobachtungszeiträume aufgrund heterogener Studienpopulationen, Indikationen und methodischer Ansätze bislang unzureichend. Zudem ist der relative Einfluss von Amputationshöhe, Komorbiditätslast und Indikation auf das Langzeitüberleben in großen, unselektierten Patient*innenkollektiven oftmals nicht konsistent quantifiziert. Ein genaues Verständnis dieser Zusammenhänge ist jedoch essenziell für die chirurgische Entscheidungsfindung, eine realistische Patient*innenaufklärung und die Förderung von Extremitätenerhaltungsstrategien, wann immer diese möglich und sinnvoll umsetzbar sind.



Zielsetzung

Ziel dieser Studie war es, das Langzeitüberleben nach Amputation der unteren Extremität zu analysieren und Patient*innen- sowie Eingriffs-bezogene Einflussfaktoren auf die Mortalität zu identifizieren. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Amputationshöhe, der Indikation zur Amputation und der Komorbiditätslast.



Methoden

In diese retrospektive monozentrische Kohortenstudie wurden alle Patient*innen eingeschlossen, die zwischen Januar 2004 und Dezember 2023 am LKH Univ. Klinikum Graz einer Amputation der unteren Extremität zugeführt wurden.

Die Identifikation erfolgte anhand von ICD-10-Codes aus dem Krankenhausinformationssystem. Erfasst wurden demografische Daten, Amputationshöhe, Indikation, ob bilaterale Eingriffe erforderlich waren, sowie relevante Vorerkrankungen. Die Komorbiditätslast wurde mithilfe des Charlson Comorbidity Index (CCI) quantifiziert. Die Analyse des Langzeitüberlebens erfolgte mittels Kaplan-Meier-Methode, unabhängige Prädiktoren der Mortalität wurden mithilfe multivariabler Cox-Regressionsmodelle untersucht. In allen Fällen wurde ein p-Wert < 0.05 als signifikant angesehen.



Ergebnisse

Insgesamt wurden 2126 Patient*innen eingeschlossen. Das mediane Alter zum Zeitpunkt der Amputation betrug 70 Jahre (Interquartilsabstand 60–79), 67,8 % der Patient*innen waren männlich. Major-Amputationen machten 41,7 % aller Eingriffe aus. Die Gesamtmortalität während des Beobachtungszeitraums lag bei 40,6 %. In der multivariablen Cox-Regression waren ein höheres Alter, männliches Geschlecht, eine höhere Amputationshöhe sowie bilaterale Amputationen unabhängig mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Infektiöse, vaskuläre und maligne Indikationen zeigten nach Adjustierung keinen unabhängigen Einfluss auf die Mortalität, wohingegen Patient*innen mit traumatischer Amputationsindikation ein signifikant besseres Langzeitüberleben aufwiesen. Eine höhere Komorbiditätslast, gemessen am CCI, zeigte einen Trend zu erhöhter Mortalität, erreichte jedoch im vollständig adjustierten Modell keine unabhängige statistische Signifikanz.



Schlussfolgerung

Das Langzeitüberleben nach Amputation der unteren Extremität wird abgesehen vom Patient*innenalter und Geschlecht primär durch die Amputationshöhe bestimmt. Die kumulative Komorbiditätslast hat einen geringen Einfluss auf das Überleben. Amputationen, die infolge eines Traumas durchgeführt werden mussten, waren mit besseren Überlebenswahrscheinlichkeiten assoziiert. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Extremitätenerhaltungsstrategien, wann immer diese realisierbar sind, und verdeutlichen die Notwendigkeit einer individualisierten Risikoabschätzung bei Patient*innen mit geplanten Amputationen an der unteren Extremität.  
   
 
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 Gefäßchirurgie
 Innere Medizin
 Orthopädie
 Plastische und Wiederherstellungschirurgie
 Unfallchirurgie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Reiter, Philipp
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Chirurgie
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Smolle, Christian; Univ. FA Dr.med.univ.
  Kamolz, Lars-Peter; Univ.-Prof. Dr.med. MSc