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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Perioperative Blutdruckevaluierung im Rahmen oralchirurgischer Eingriffe an der Universitätsklinik für Zahnmedizin und Mundgesundheit Graz  
 Zusammenfassung in Deutsch

Arterielle Hypertonie ist eine kardiovaskuläre Erkrankung, mit durchgehend erhöhten Blutdruckwerten (≥140 mmHg systolisch und/oder ≥90 mmHg diastolisch), eingeteilt in drei Schweregrade(1,2).

Sie zählt mit weltweit ca. 1,28 Milliarden betroffenen Erwachsenen zu den häufigsten internistischen Erkrankungen. Rund 46% der Betroffenen sind sich ihrer Erkrankung nicht bewusst und lediglich 42% werden diagnostiziert und suffizient behandelt(3).

Hypertonie verläuft in der Regel über Jahre beschwerdefrei oder mit nur sehr unspezifischen Symptomen, dies führt dazu, dass diese sehr spät oder nur im Sinne einer Routine Kontrolle diagnostiziert wird(4).

Aus zahnmedizinischer Sicht ist eine Blutdruckkontrolle sinnvoll, da es bei Hypertonie zu lokalen Komplikationen wie erhöhte intraoperative Blutung, Nachblutung sowie zu verkürzter Wirkdauer von lokaler Anästhesie kommen kann. Auch psychische Faktoren wie das „White coat“ Phänomen können den Blutdruck erhöhen(5). Zusätzlich besteht das Risiko, dass durch Angst, Schmerz und Zusatz von Vasokonstriktoren der Blutdruck gesteigert werden kann und einen Notfall bis hin zur Hypertensiven Krise auslösen kann(6–8).

Eine Überprüfung des Blutdrucks ist daher von Vorteil und wird im Zuge von oralchirurgischen Eingriffen, an der Univ.-Klinik für Zahnmedizin Graz, routinemäßig durchgeführt.

Zielsetzung:

Primäres Ziel ist es, die prä-, intra- und postoperativ routinemäßig gemessenen RR-Werte retrospektiv zu evaluieren und mit den in der Literatur empfohlenen Normwerten zu vergleichen.

Sekundär sollen die evaluierten Werte mit Parametern wie Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen, vorhandene Blutdruckmedikation sowie psychischen und erfolgten Eingriff gegenübergestellt werden. In der Folge soll ein Blutdruckprofil der behandelten Patient:innen erstellt werden.

Methodik

Monozentrische, retrospektive Datenauswertung (MEDOCS) bei erwachsenen Patient:innen im oralchirurgischen Setting (02.01.2024-10.05.2024; n = 500). Erfasst wurden standardisierte RR-Messungen prä/intra/postoperativ sowie Anamnese- und Eingriffsdaten gemäß definierten Haupt- und Nebenzielparametern. Ergänzend erfolgte eine Literaturrecherche (u. a. PubMed, Google Scholar, Fachliteratur).



Ergebnisse

Präoperativ lagen die Mittelwerte bei 143,1  18,9/84,8  12,4 mmHg (SBP/DBP), intraoperativ bei 139,1  16,9/79,3  11,4 mmHg und postoperativ bei 137,0  16,6/80,0  10,2 mmHg. Gegenüber 120/80 mmHg bzw. 140/90 mmHg zeigten sich zeitpunktspezifische Unterschiede, am ausgeprägtesten für die Systole. Das Alter korrelierte positiv mit SBP (r = 0,549) und DBP (r = 0,214). Präoperativ lagen 54,2 % der Fälle bei SBP  140 mmHg; 32,4 % wiesen DBP  90 mmHg auf.

In einer kleinen Hochrisiko-Subgruppe (SBP  180 mmHg; n = 19) zeigte sich prä- zu postoperativ ein mittlerer systolischer Abfall von 26 mmHg; ein Eingriff wurde bei 214 mmHg abgebrochen.



Diskussion

Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit einer standardisierten perioperativen RR-Erhebung in der Oralchirurgie. Besonders präoperative SBP-Spitzen sind häufig klinisch relevant ((Triage, Indikationsstellung, Monitoring, Wahl/Dosis vasokonstriktorhaltiger Lokalanästhesie (LA)). Korrelationen mit Alter sowie Befunde zu Geschlecht/Medikation und Eingriffstyp geben Ansatzpunkte für risikoadaptierte SOPs und klarere Verschiebekriterien.



Konklusion

In diesem Kollektiv traten erhöhte präoperative SBP-Werte häufig auf; die intra-/postoperative Stabilisierung spricht für den Einfluss situativer Faktoren. Eine SOP-gestütztes Vorgehen (Screening, Triage, klare Schwellenwerte, strukturierte Weiterüberweisung in die Pimär-/Sekundärversorgung) kann die perioperative Sicherheit erhöhen und die interdisziplinäre Versorgung verbessern.

 
   
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Kaser, Alexander Hans
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Zahnmedizin und Mundgesundheit
 UO 203 Zahnmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Kirnbauer, Barbara; Univ. OÄ Priv.-Doz. Dr.scient.med. Dr.med.dent.
  Sommer, Sarah; Univ. ZÄ Dr.med.univ. Dr.med.dent.