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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Der Einfluss von Tramadol auf die Thrombozytenfunktion  
 Hintergrund und Zielsetzung

Tramadol gehört zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Analgetika und spielt eine wichtige Rolle in der perioperativen sowie chronischen Schmerztherapie. Im Gegensatz zu vielen anderen Opioiden weist Tramadol ein besonderes pharmakodynamisches Profil auf: Es wirkt nicht nur als schwacher µ-Opioidrezeptor-Agonist, sondern auch als Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Diese serotonergen Eigenschaften werfen Fragen hinsichtlich eines möglichen Einflusses auf die Thrombozytenfunktion und die Hämostase auf, da Serotonin ein zentraler Mediator der Thrombozytenaggregation und des Gefäßtonus ist. Während die Effekte von NSAR, Paracetamol und Metamizol auf die Thrombozytenfunktion gut dokumentiert sind, ist der Einfluss von Tramadol bisher unzureichend untersucht und uneinheitlich beschrieben. Frühere Studien berichten widersprüchliche Ergebnisse – von gesteigerter Aggregation bis zu verzögerter Gerinnselbildung – und unterstreichen somit die Notwendigkeit einer systematischen Untersuchung. Ziel dieser Studie war es, den Effekt von Tramadol in verschiedenen Konzentrationen auf die Thrombozytenfunktion zu analysieren, sowohl isoliert als auch in Kombination mit häufig gleichzeitig verabreichten Medikamenten wie Metamizol, Ibuprofen und Fentanyl.



Methoden

Diese monozentrische Laborstudie wurde an der Medizinischen Universität Graz nach Ethikvotum (IRB00002556) und Registrierung bei ClinicalTrials.gov (NCT05237492) durchgeführt. Dreiunddreißig gesunde erwachsene Probanden wurden nach Aufklärung und Einwilligung eingeschlossen. Ausschlusskriterien waren u. a. eine laufende Antikoagulation, Gerinnungsstörungen oder eine bestehende Opiattherapie. Aus den Blutproben wurde plättchenreiches Plasma gewonnen und mittels Lichttransmissionsaggregometrie (LTA), dem Referenzverfahren zur Untersuchung der Thrombozytenfunktion, analysiert. Tramadol wurde in Konzentrationen von 500 bis 9000 ng/ml titriert. Weitere Experimente testeten Tramadol (200 ng/ml) in Kombination mit Metamizol (300–900 µg/ml), Ibuprofen (60–180 µg/ml) oder Fentanyl (3000–9000 ng/ml). Die Aggregation wurde durch Standard-Agonisten (ADP, Kollagen, Arachidonsäure, Ristocetin, TRAP) induziert. Für die statistische Auswertung wurden der Friedman-Test für nichtparametrische Messwiederholungen, Kendall’s W zur Effektstärkenschätzung sowie Post-hoc-Vergleiche angewendet.



Ergebnisse

Diese single-center Laborstudie wurde an der Medizinischen Universität Graz nach Ethikvotum (IRB00002556) und Registrierung bei ClinicalTrials.gov (NCT05237492) durchgeführt. 33 gesunde erwachsene ProbandInnen wurden nach Aufklärung und Einwilligung eingeschlossen. Ausschlusskriterien waren u. a. eine laufende Antikoagulation, Gerinnungsstörungen oder eine bestehende Opiattherapie. Aus den Blutproben wurde plättchenreiches Plasma gewonnen und mittels Lichttransmissionsaggregometrie (LTA), dem Referenzverfahren zur Untersuchung der Thrombozytenfunktion, analysiert. Tramadol wurde in Konzentrationen von 500 bis 9000 ng/ml titriert. Weitere Experimente testeten Tramadol (200 ng/ml) in Kombination mit Metamizol (300–900 µg/ml), Ibuprofen (60–180 µg/ml) oder Fentanyl (3000–9000 ng/ml). Die Aggregation wurde durch Standard-Agonisten (ADP, Kollagen, Arachidonsäure, Ristocetin, TRAP) induziert. Für die statistische Auswertung wurden der Friedman-Test für nichtparametrische, verbundene Stichproben, Kendall’s W zur Effektstärkenschätzung sowie Post-hoc-Vergleiche angewendet.



Conclusio

In dieser ex vivo-Studie zeigte Tramadol allein keinen signifikanten Einfluss auf die Thrombozytenaggregation in verschiedenen Signalwegen, was die Nullhypothese stützt. In Kombination mit Metamizol oder Ibuprofen hingegen war Tramadol mit einer Hemmung der Thrombozytenfunktion assoziiert, während mit Fentanyl keine Wechselwirkungen auftraten. Diese potenziellen Interaktionen sollten bei der perioperativen Schmerztherapie berücksichtigt werden, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko. Weitere klinische Studien mit größeren Fallzahlen sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und ihre Übertragbarkeit in vivo zu prüfen.

 
 Tramadol; Thrombozytenaggregation; Analgetika; Opioide; serotonerge Substanzen  
 
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 Anästhesiologie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Zoidl, Philipp; Dr.med.univ.
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
 UO 790 202 Dr.-Studium der medizin. Wissenschaft; Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Bornemann-Cimenti, Helmar; Priv.-Doz. Dr.med.univ.et scient.med. MBA MSc EDPM
  Prüller, Florian; Dr.med.univ.
  Rumpold-Seitlinger, Gudrun; Ass.-Prof. Dr.med.univ.