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Medizinische Universität Graz    

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Bibliografische Informationen
 Totaler Femurersatz: Funktionelle Ergebnisse, Klinischer Erfolg und Gang Analyse  
 Hintergrund

Totale Femurersatzoperationen (TFE) sind mit einem hohen Anteil an Komplikationen und Revisionen verbunden, am häufigsten aufgrund von Infektionen. Das Revisionsrisiko und die damit assoziierten Parameter in einer Hochrisikopopulation sowie Daten zum funktionellen Outcome einschließlich Ganganalyse sind bislang unzureichend untersucht.

Zielsetzung

Ziel dieses multizentrischen Projekts war es, 1) die kumulative Inzidenz von Implantatrevisionen und Hüftexartikulationen 2 und 5 Jahren nach TFE zu berichten; 2) patientInnen- und verfahrensbezogene Parameter zu identifizieren, die mit Implantatrevisionen und Hüftexartikulationen assoziiert sind; 3) die Mortalität, das onkologische Outcome sowie die Häufigkeit von leichten Komplikationen und Reoperationen in dieser Studienpopulation darzustellen; und 4) das funktionelle Outcome, die Lebensqualität und die Gangqualität nach TFE zu untersuchen.

Methoden

Es handelt sich um eine retrospektive, multizentrische Studie der European Musculo-Skeletal Oncology Society (EMSOS) mit Daten aus 14 internationalen teilnehmenden Zentren. Eingeschlossen wurden 143 PatientInnen, die zwischen dem 1. Januar 1990 und dem 31. März 2024 einen TFE erhielten. Das mediane (IQR) Alter zum Zeitpunkt der Indexoperation betrug 47 (20-66) Jahre, und 52 % der PatientInnen waren männlich. Die meisten PatientInnen erhielten einen TFE aus onkologischer Indikation (76 % [108/143]); 12 % (13/108) erhielten verlängerbare Wachstumsprothesen. Komplikationen, Revisionen, Amputationen sowie klinische und perioperative Daten wurden dokumentiert. Implantatrevisionen und Hüftexartikulationen wurden in einem Competing-Risk-Framework mit Tod als konkurrierendem Ereignis analysiert.

Zusätzlich konnten studienspezifische Verlaufsdaten einschließlich Patient Reported Outcome Measures (PROM), Bewegungsumfang (ROM) von Hüfte und Knie, sowie Gangvideos für eine Subgruppe der PatientInnen erhoben werden (65/143; medianes [IQR] Alter bei Operation 40 [18-56] Jahre, 60 % männlich).

Ergebnisse

Die kumulative Inzidenz von Implantatrevisionen nach 2 und 5 Jahren betrug 24% (95%-Konfidenzintervall [KI] 16%-31%) bzw. 35% (95% KI 26%-44%). Die kumulative Inzidenz von Hüftexartikulationen nach 2 und 5 Jahren lag bei 4% (95% KI 1%-7%) bzw. 10% (95% KI 4%-16%). Ein höheres PatientInnenalter war mit einem erhöhten Risiko für Implantatrevisionen assoziiert (Subdistributions-HR 1,01 [95% KI 0,98-1,02]; p=0,17; cause-specific HR 1,01 [95% KI 1,00-1,03]; p = 0,023). Darüber hinaus waren ein höheres PatientInnenalter (Subdistributions-HR 1,03 [95% KI 1,01-1,05]; p<0,001; cause-specific HR 1,05 [95% KI 1,02-1,07]; p<0,001) sowie der Verzicht auf ein Netztransplantat (Subdistributions-HR 0,30 [95% KI 0,10-0,92]; p=0,035; cause-specific HR 0,46 [95% KI 0,15-1,42]; p=0,18) mit einem höheren Risiko für Hüftexartikulationen assoziiert. Weitere Risikofaktoren zeigten keinen signifikanten Einfluss auf das Risiko für Implantatrevisionen oder Hüftexartikulationen.

In der weiter analysierten Subkohorte von 65 PatientInnen betrug die mediane (IQR) Nachbeobachtungszeit 28 Monate (14-126). Die medianen (IQR) prozentualen Scores lagen bei 63% (43%-73%) für den MSTS-Score, 70% (55%-79%) für den SF-12, 63% (52%-77%) für den HHS und 63% (52%-79%) für den OKS. Der mediane (IQR) Extensions-Flexions-Bewegungsumfang betrug 80° (70°-97,5°) für die Hüfte und 70° (40°-90°) für das Knie. Gangvideos waren für 24 von 65 PatientInnen (37%) verfügbar. Der mediane (IQR) Gesamt-Edinburgh-Visual-Gait-Score der operierten Seite betrug 8,5 (6-13), wobei bei allen PatientInnen (24/24) Abweichungen vom Normgang festgestellt wurden. Eine kompensatorische Gangpathologie auf der kontralateralen Seite wurde bei 96% der PatientInnen (23/24) nachgewiesen. Bessere PROM-Ergebnisse korrelierten signifikant mit jüngerem Alter (alle PROMs), onkologischer Indikation (MSTS und OKS) sowie primärer TFE-Implantation (MSTS).

Schlussfolgerung

PatientInnen sollten über die hohe Revisionsrate nach TFE sowie über das Risiko einer sekundären Hüftexartikulation aufgeklärt werden. Die identifizierten Risikofaktoren sollten sowohl bei der PatientInnenberatung als auch bei der chirurgischen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Unsere Ergebnisse bestätigen den positiven Effekt von Netztransplantaten. Da sich technische Lösungen für PatientInnen nach Amputation weiterentwickeln, sollten die Indikationen für diese komplexen Rekonstruktionen sorgfältig gewählt werden, insbesondere bei älteren PatientInnen.

Darüber hinaus sind nach TFE moderate bis gute PROM-Scores zu erwarten, mit besseren Ergebnissen bei jüngeren PatientInnen, bei primären Implantationen und bei onkologischen Indikationen. Die häufig beobachteten Gangabweichungen sowie die kompensatorische Gangpathologie auf der kontralateralen Seite sollten in der Nachbehandlung, Remobilisation und PatientInnenberatung nach TFR berücksichtigt werden.  
 Totaler Femurersatz; Megaprothese; Funktion; Lebensqualität; Ganganalyse  
 
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 Orthopädie
Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Valentini, Marisa; Dr.
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie
 UO 790 202 Dr.-Studium der medizin. Wissenschaft; Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Smolle, Maria Anna; Univ. FÄ Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med.
  Leithner, Andreas; Univ.-Prof. Dr.med.univ.
  Svehlik, Martin; Priv.-Doz. Dr.med. PhD.
  Bergovec, Marko; Prim. Priv.Doz. DDr.