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Medizinische Universität Graz    

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Dissertation - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Prospektive Kohortenstudie zur neurokognitiven Funktion und Depression bei Hypoparathyreoidismus  
 Hintergrund: Der chronische Hypoparathyreoidismus wird mit kognitiven Dysfunktionen und depressiver Symptomatik in Verbindung gebracht, wobei die genauen Hintergründe und Charakteristika derzeit noch nicht vollständig erforscht sind.

Zielsetzung: Ziel der Arbeit war die Charakterisierung kognitiver Funktionen und depressiver Symptomatik bei chronischem Hypoparathyreoidismus mittels umfassender neuropsychologischer Untersuchung und validierter Screening-Instrumente im Vergleich zu gematchten gesunden Kontrollpersonen.

Methoden: Es wurde eine prospektive Fall-Kontroll-Studie mit 30 Patient:innen mit chronischem Hypoparathyreoidismus (Erkrankungsdauer ≥6 Monate) und 30 nach Alter, Geschlecht, Bildungsgrad und Intelligenz gematchten gesunden Kontrollpersonen durchgeführt. Die Proband:innen absolvierten eine standardisierte Testbatterie zur Erfassung von Aufmerksamkeit/Verarbeitungsgeschwindigkeit (Trail Making Test A, Farbe-Wort-Interferenztest nach Stroop Bedingung 1 und 2: Farbbenennung und Wortlesen), verbalem Lernen/Gedächtnis (Verbaler Lern- und Merkfähigkeitstest) und exekutiven Funktionen (Trail Making Test B, Farbe-Wort-Interferenztest nach Stroop Bedingung 3: Interferenz).Die depressive Symptomatik wurde mittels Beck-Depressions-Inventar-II (BDI-II), Montgomery-Åsberg-Depressionsskala (MADRS) und Hamilton Depression Rating Scale (HAMD) erfasst. Kognitive Domänen-Composite-Scores wurden mittels Kovarianzanalyse unter statistischer Kontrolle des BDI-II verglichen. Die Prävalenz kognitiver Beeinträchtigungen (<25. Perzentile) wurde mittels exaktem Tests nach Fisher verglichen. Zusammenhänge zwischen Depression und Kognition wurden mittels Spearman-Korrelationen untersucht.

Ergebnisse: Nach statistischer Kontrolle für depressive Symptomatik zeigten Patient:innen signifikant niedrigere Leistungen im Bereich Aufmerksamkeit/Verarbeitungsgeschwindigkeit (p = .005, η²p = 0.132), nicht jedoch im verbalen Gedächtnis (p = .159) oder in exekutiven Funktionen (p = .224). Die Prävalenz kognitiver Beeinträchtigungen war signifikant erhöht für Aufmerksamkeit/Verarbeitungsgeschwindigkeit (56.7% vs. 3.3%, p < .001, φ = 0.58) und exekutive Funktionen (60.0% vs. 16.7%, p = .001, φ = 0.45), jedoch nicht für verbales Lernen/Gedächtnis (46.7% vs. 23.3%, p = .103, φ = 0.24).Patient:innen berichteten signifikant höhere depressive Symptomschwere (BDI-II: 11.5 ± 8.4 vs. 4.5 ± 5.2, p < .001, d = 1.04), wobei 36.7% den klinisch relevanten Schwellenwert (BDI-II ≥14) überschritten gegenüber 6.7% der Kontrollpersonen (p = .010). Innerhalb der Patientengruppe zeigte die depressive Symptomschwere keine Korrelation mit Aufmerksamkeitsleistungen (ρ < 0.15), jedoch signifikante moderate negative Korrelationen mit verbalem Gedächtnis (ρ = -0,45 bis -0.46) und exekutiven Funktionen (ρ = -0.42 bis -0.45). Die blieben auch nach False-Discovery-Rate-Korrektur signifikant.

Schlussfolgerungen: Der chronische Hypoparathyreoidismus ist mit Defiziten in Aufmerksamkeit/ Verarbeitungsgeschwindigkeit assoziiert, die die Mehrheit der Patient:innen (56,7 %) betrifft und auch nach einer Kontrolle für depressive Symptomatik persistiert. Gedächtnis- und Exekutivdefizite zeigten moderate Korrelationen mit der depressiven Symptomschwere. Das domänenspezifische Muster legt nahe, dass verschiedene kognitive Domänen unterschiedliche Beziehungen zu krankheitsbezogenen Faktoren aufweisen könnten. Zukünftige Forschungsarbeiten sollten längsschnittliche Studiendesigns einsetzen, die neuropsychologische Testung mit bildgebenden Verfahren integrieren sowie Interventionsstudien zur Evaluation, ob PTH-Ersatztherapie neuropsychiatrische Manifestationen verbessern kann.

 
 Hypoparathyreoidismus, kognitive Funktion, Depression, neuropsychologische Testung, Parathormon  
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Tmava-Berisha, Adelina; Dr.med.univ.
Betreuende Einrichtung / Studium
  Medizinische Universität Graz
 UO 790 202 Dr.-Studium der medizin. Wissenschaft; Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Amrein, Karin; Priv.-Doz. Dr.med.univ. MSc
  Holl, Anna; Univ.-Ass. Priv.-Doz. Dr.med.univ.et scient.med.
  Berghold, Andrea; Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn.