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Medizinische Universität Graz    

Meine Abschlussarbeiten - Publikationen

Diplomarbeit - Detailansicht

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Bibliografische Informationen
 Heilung diabetischer plantarer Fußulzera bei Behandlung mittels Offloading-Devices - Eine retrospektive Analyse von Patient*innen an einem tertiären Zentrum  
 Einleitung und Fragestellung

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, deren langfristige Komplikationen maßgeblich zur Morbidität und Mortalität beitragen und eine gesundheitsökonomische Belastung darstellen. Das diabetische Fußsyndrom (DFS) stellt dabei eine der klinisch schwerwiegendsten Manifestationen dar. Mechanisch induzierte plantare Ulzerationen erfordern eine konsequente Druckentlastung (Offloading), wobei nicht-abnehmbare Systeme wie der Vollkontaktgips (Total-Contact Cast, TCC) in internationalen Leitlinien als Goldstandard gelten. In der klinischen Praxis werden jedoch häufig abnehmbare Systeme eingesetzt. Versorgungsnahe Daten zur tatsächlichen Umsetzung leitlinienbasierter Offloading-Strategien sowie zur gesamten Episodendauer unter unterschiedlichen Versorgungsformen sind bislang limitiert. Ziel dieser Arbeit ist es, die Abheilungsdauer unter verschiedenen Offloading-Strategien zu vergleichen und praxisrelevante Therapieabbruchs- und -wechselgründe zu erfassen.



Material und Methoden

In einer monozentrischen, retrospektiven Analyse wurden Daten der Diabetischen Fußambulanz der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie am LKH-Universitätsklinikum Graz aus den Jahren 2013 bis 2023 ausgewertet. Von initial 88 Patient*innen erfüllten nach mehrstufiger Selektion 25 Personen die Einschlusskriterien. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Abheilung auf Episodenebene. Dabei wurde zwischen reiner Interventionsdauer und gesamter Episodendauer differenziert, um Versorgungsverzögerungen abzubilden. Zusätzlich wurden Rezidive sowie Begleiterkrankungen dokumentiert. Therapieabbruchs- und -wechselgründe wurden aus Arztbriefen extrahiert und zur kontextuellen Einbettung genutzt. Die Datenaufbereitung erfolgte in Excel, die deskriptiv-statistische Analyse mittels R. Aufgrund der geringen Stichprobengröße wurde auf inferenzstatistische Tests verzichtet.



Ergebnisse

Ulzerationen unter nicht-abnehmbaren Systemen heilten in dieser Stichprobe im Median schneller ab als unter abnehmbaren Systemen (68 vs. 109 Tage Interventionszeit). Betrachtet man die gesamte Episodendauer, zeigte sich ein noch deutlicherer Unterschied (192 vs. 383,5 Tage zugunsten nicht-abnehmbarer Systeme). Die qualitativ erfassten Therapieabbruchs- und -wechselgründe umfassten patient*innenbezogene Faktoren wie Unsicherheiten oder Adhärenzprobleme, arbeitsbezogene Einschränkungen sowie strukturelle Versorgungsdefizite im niedergelassenen Bereich. Damit zeigte sich eine Diskrepanz zwischen evidenzbasierter Behandlungsempfehlungen und Versorgungsrealität.



Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse stützen die leitlinienbasierte Empfehlung nicht-abnehmbarer Offloading-Systeme hinsichtlich der verkürzten Abheilungsdauer. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse auf eine Abweichung von der leitlinienbasierten Therapie in der Versorgungspraxis hin. Neben biomechanischer Wirksamkeit bestimmen psychosoziale und strukturelle Faktoren maßgeblich den Therapieerfolg. Eine patient*innenzentrierte Ausrichtung der Maßnahmen erscheint daher essenziell, um klinische Outcomes nachhaltig zu verbessern. Aufgrund des retrospektiven Designs und der kleinen Stichprobe sind die Ergebnisse deskriptiv zu interpretieren, sie liefern jedoch einen differenzierten Einblick in die realitätsnahe Versorgung des diabetischen Fußsyndroms und relevante Ansatzpunkte für zukünftige Forschung.  
   
 
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Autorinnen*Autoren / Co-Autorinnen*Co-Autoren
  Lux, Elisabeth
Betreuende Einrichtung / Studium
  Universitätsklinik für Innere Medizin
 UO 202 Humanmedizin  
Betreuung / Beurteilung
  Hochfellner, Daniel; Univ. FA Dr.med.univ.
  Aberer, Felix; Priv.-Doz. Dr.med.univ. Dr.scient.med.